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Scholl (1995): Erarbeitung von Richtlinien für die integrierte SchädlingsbekämpfungAnhang A4 - 1
Anhang A4
Pestizid-Anwendung; Formulierungen
Aerosol
"Luft-gelöst" - gelöste Chemikalie unter Druck durch eine enge Düse gepreßt, in winzige Teilchen
zerschlagen, die lange in der Luft bleiben, langsam zu Boden sinken oder verdampfen. Treibgase
dienen als Lösungsmittel/Hilfsstoffe, die nur unter Druck flüssig sind, also sofort verdunsten.
Zurück bleiben Tröpfchen oder Teilchen der gelösten Chemikalie. Die zum Verdampfen nötige
Wärme wird der Umgebung entzogen. Daher wird die Umgebung kalt. Aerosol ist einfach
anzuwenden; der Luftraum wird ziellos, unspezifisch begiftet, das Schädlingsproblem wird damit
(fast) nie gelöst.
Ausnahme: ULV-Aerosol mit Spagettidüse zur Schlupfwinkelbehandlung bei Schaben. Wenn
sichergestellt werden kann, daß die gesamte Oberfläche des Hohlraumes benetzt werden kann, ist
auch ein repellierender Wirkstoff wirksam. Ein hoher Druck auf der Dose gewährleistet eine gute
Ausdehnung innerhalb des Hohlraumes. Allerdings muß bei Verwendung von repellierenden
Wirkstoffen (das sind fast alle) immer damit gerechnet werden, daß Schaben in angrenzende
Gebäudeteile ausgebreitet werden, wenn sie entfliehen können (R
EIERSON
1979, R
UST
& al. 1995).
Die meisten Dosen sprühen nur, wenn sie aufrecht gehalten werden; manche Spraydosen sprühen
auch, wenn man sie auf den Kopf stellt. Diese Dosen sind zur Schlupfwinkelbehandlung besser
geeignet.
weiterführende Literatur: H
INDS
, W. C. (1982); -> auch Nebel, Spray
Backpulver
Backtreibmittel, das bei feuchter Wärme CO2 (Kohlendioxid) freisetzt. Wenn Insekten Backpulver
fressen, "platzen" sie daher regelrecht. Zur Ameisenbekämpfung als Fraßgift sehr wirksam.
Emulsionskonzentrat (Emulsifiable Concentrate, EC)
ergibt mit Wasser verdünnt, eine -> Emulsion.
Emulsion
Tröpfchenförmiges wasserunlösliches Pestizid + Emulgator mit Wasser, gut für glatte dichte
Oberflächen, z.B. Glas, glasierte Fliesen, Edelstahl. Bildet nach Verdunsten des Wassers, sofern in
der richtigen Menge aufgebracht (= bis zum -> Ablaufpunkt) einen unsichtbaren Belag. Wenn
Insekten längere Zeit regelmäßig darüberlaufen, sollen sie angeblich genug davon aufnehmen, um
sich später beim Putzen damit zu vergiften. Diese Wahrscheinlichkeit wird um so größer, je größer
die eingesprühte Fläche ist. Gleichzeitig wächst die Wahrscheinlichkeit der unkontrollierbaren
Kontamination, indem die Gifte auf Flächen, die von ahnungslosen Laien unvorhersehbar genutzt
werden. Bei verdampfenden Wirkstoffen kommt die Raumluftbelastung dazu, bei schmutzigen und
staubigen Untergründen der kontaminierte Schmutz. Emulgierte Wirkstoffe sind von Natur aus
flüssig und ölig. Sie dringen in poröse Unterlagen (Kunststoff, Beton, Textilien, Holz, Putz; Haut)
ein und können dort weder kontrolliert noch dekontaminiert werden.