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4 - Anhang A4
Anwendungstechnik - Pestizide
Integrierte Schädlingsbekämpfung
- Das Kapselmaterial muß Temperatur- und Klimaschwankungen aushalten.
- Die Kapseln müssen unverdaubar und lange haltbar sein.
- Auch die Poren müssen bei unterschiedlichen Bedingungen gleich groß bleiben.
All diese Eigenschaften entziehen sich der Kontrolle durch den Anwender. Qualität der Kapseln
zum Zeitpunkt der Ausbringung kann kann vom Anwender unter Praxisbedingungen bislang nicht
überprüft werden, sondern nur in Speziallabors. Deshalb hängt die Eignung im Wesentlichen von
der Bereitschaft der Hersteller ab, Informationen und Einschränkungen bekanntzugeben.
Lipophile Wirkstoffe können aus Mikrokapseln ebenso wie aus wasseraufschwemmbaren Pulvern
in das behandelte Material einwandern und es so dauerhaft kontaminieren (R
UST
& al. 1995, S.
151)
Wirkung von Kurzzeit-Wirkstoffen über längere Zeiträume ist ein neues Risiko, besonders bei
Atemgiften, also Stoffen, die leicht verdampfen. Es bleibt offen, inwieweit die Kapseln nach
Abtrocknen des Wassers aufgewirbelt und eingeatmet werden, Auch über die Langzeit-Haltbarkeit
der Kapseln gibt es keine Angaben.
Bis zur umfassenden Aufklärung dieser Fragen sollten mikroverkapselte Wirkstoffe mit exakt den
gleichen Vorbehalten verwendet werden wie die freien Wirkstoffe. Weiterführende Literatur
->
R
UST
& al.1995, S. 289
Mikrokapsel-Präparate:
Pyrethrum
;
PT 170
(1,1%),
PT 170A
(0,3%), Whitmire. Organophosphate:
Chlorpyrifos
;
Empire 20
, DowElanco;
Diazinon
;
Knoxout-2FM
, -
PT 265
, elf atochem, Whitmire;
Fenithrothion
;
Detmol mic
,
Frowein. Pyrethroide:
Cyfluthrin
;
PT 600
, Whitmire;
Lambda-Cyhalothrin
;
Demand CS
, Zeneca
Weiterführende Literatur: W
ICKAM
in R
UST
& al. 1995, S. 142
Mineralwasser
enthält Kohlendioxid. Das kann in Abwesenheit anderer Möglichkeiten u.U. zum Betäuben / Töten
von einzelnen Insekten verwendet werden, wenn es gelingt das Gas aufzufangen.
Zur Erinnerung:
Kohlendioxid ist schwerer als Luft, es "fließt" also nach unten.
Nebel
Nebel begiftet den Luftraum. Es gibt mehrere sehr unterschiedliche Arten, Nebel zu verbreiten:
- Kaltnebel ist die "Urform" des Nebels in der Schädlingsbekämpfung.
- Trockennebel enthält als Lösungsmittel Alkohol, der schnell verfliegt.
- Heißer Nebel begiftet den Luftraum nachhaltiger und breitet sich weiter aus, ob er aber die
Schlupfwinkel erreicht, ist dennoch fraglich. Durch hitzeerzeugende Geräte in Räumen besteht
Brandgefahr bei der Anwendung. Eine Schlupfwinkelbehandlung ist aufgrund der
Gerätekonstruktion nicht möglich.
- Beim Ultra-Low-Volume (ULV)-Nebel ersetzt das Ausbringungsgerät die Hilfsstoffe, indem es
den konzentrierten Wirkstoff, der im Originalbehälter direkt daran angeschlossen wird, unter
hohem Druck in extrem kleinen Tröpfchen zerschlägt, die lange in der Luft bleiben, weil sie so
klein sind. Da bei dieser Zubereitung das Ansetzen der Brühe entfällt, gilt sie als leicht
handhabbar und ist weltweit verbreitet. Leider ist eine Schlupfwinkelbehandlung mit ULV-
Nebel aufgrund der Gerätekonstruktion derzeit (noch?) nicht möglich. ULV-Vernebelung wird
von der WHO zur Bekämpfung von Malariamücken in Häusern empfohlen und gefördert.
Bei allen Nebel-Zubereitungen muß die Frage erlaubt werden, ob der Nebel die Abgründe von
Insektenverstecken wirklich erreicht. Alle Lebewesen strahlen aufgrund ihrer Stroffwechsel-
funktionen Wärme ab, wenn auch manchmal in geringen Mengen. Da warme Luft sich ausdehnt,
führt dies zu einer minimalen Luftbewegung in Richtung vom Lebewesen hinweg, die den Nebel-
Tröpfchen-Strom in Schlupfwinkeln sicherlich beeinflußt.
Die Demonstration der Geräte in offenen
Räumen mit Parfüm, die gelegentlich praktiziert wird, ist nicht geeignet, die Frage zu beantworten, da zur
Wahrnehmung von Gerüchen bereits einzelne Moleküle ausreichen (-> Eintrittspforten / Geruchssinn)
.