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Integrierte Schädlingsbekämpfung Anwendungstechnik - Pestizide
Anhang A4 - 5
In jedem Fall ist die Giftmenge, die die Tiere erreicht, im Vergleich zu der Gesamtmenge, die
ausgebracht wird, bei Nebeln unendlich klein.
Nach einer Untersuchung, deren Veröffentlichung angeblich von der WHO bisher verhindert wurde, erreicht der Nebel
die Schlupfwinkel von Insekten nicht. Das hängt mit den mikroklimatischen Besonderheiten von Kleinst-Hohlräumen
zusammen und soll für alle Formen des Nebels incl. ULV (= Ultra Low Volume) gelten. An der Veröffentlichung
dieser Untersuchungen, die im Auftrag der WHO durchgeführt wurden, und die schon einige Zeit zurückliegen, besteht
allem Anschein nach kein Interesse. Das ist äußerst bedenklich, wenn es zutrifft, daß die Mückenbekämpfung in den
Häusern von Malariagebieten der Drittweltländer zum großen Teil als ULV-Vernebelung durchgeführt wird. (R
EITER
1993, mündl. Mitt.)
Möglicherweise sind ergänzende Untersuchungen erforderlich.
Weiterführende Literatur: B
OUTET
(1987): Controlling Air Movements, McGraw-Hill, NY; H
INDS
, W. C. (1982):
Aerosol Technology, Wiley-Interscience, NY.
Öllösung
Fettlöslicher Wirkstoff in organischem Lösungsmittel, meist Benzin, gelöst; hohe Eindringtiefe;
wegen extremer Brand- und Explosionsgefahr weitgehend aufgegeben.
Schaum
... mit darin gelöstem Pestizid ist eine relativ neue Formulierung mit beliebig einstellbarer
Festigkeit und Haltbarkeit. Schaum wurde zuerst gegen Termiten zugelassen, eignet sich aber auch
zur Bekämpfung von Ameisen, Schaben u.a. in Schlupfwinkeln, und könnte auch zu
Nagetierbekämpfung sinnvoll formuliert werden. Besonders gut für unzugängliche Hohlräume,
wenn diese vollständig mit dem Schaum gefüllt werden können. Überschüssiger Schaum kann aus
weit entfernten Lücken wieder herausquellen und muß dannn sorgfältig entfernt werden.
Weitere Informationen: Pest Control Technology (3)1993 S. 46ff.; (4)1993, S. 46ff; (11)1993, S.
39ff
Präparate: Organophosphat;
Diazinon
;
Insektenschaum
, Reinelt&Temp; USA, diverse Produkte
Spray, Sprühnebel
Verspritzen von flüssigen oder flüssig gemachten Wirkstoffen auf große Flächen unter Druck durch
eine Düse. In der traditionellen Schädlingsbekämpfung ist dies die meistverwendete Standard-
Ausbringungsform der Schädlingsbekämpfer seit dem Aufkommen des DDT nach dem 2. Weltkrieg
allseits bekannt und für Emulsionen (<-) und Suspensionen (<-) geeignet.
Nachteile:
- minimale Wirksamkeit,
- schwer kontrollierbare Kontamination großer Flächen,
- hohe Anfälligkeit für Fehler:
- Einschätzen der benötigten Menge,
- Umsetzen der ausgerechneten Werte,
- Ansetzen und Mischen der benötigten Konzentration,
- Dichtigkeit der Pumpe und des Gerätes,
- Auswahl und Zustand der Düsen,
- Ausbringung der hergestellten Endkonzentration:
- Schutzkleidung und Atemschutz der Anwender
- Entfernung, Druck, Dauer beim Arbeiten (Ablaufpunkt, s.u.),
- Verwendung von Mittelresten,
- Reinigung der Geräte,
- Verwendung des Spülwassers.
Die Öffnungen der Sprühdüsen sind äußerst präzise gearbeitet. Dementsprechend ist das Erzielen
des jeweils richtigen Sprühmusters und der gewünschten Tropfengröße Präzisionsarbeit.
Minimalvoraussetzungen sind z.B.: unbeschädigte Sprühdüsen, deren Öffnungen noch exakt sind
(nicht "ausgeleiert"). Der Druck auf der Spritze muß in einem engen Bereich ständig gleichbleiben.