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Integrierte Schädlingsbekämpfung Anwendungstechnik - Pestizide
Anhang A4 - 9
was bereits über Fallen gesagt wurde: der Bekämpfer muß zum Jäger werden, um sie richtig
einzusetzen. Alle Sinne inclusive dem berühmten "siebten Sinn" sind gefordert.
Die regelmäßige "Behandlung" von städtischen Freilandratten und besonders Kanalratten mit
Köderblocks und "Wurf"-Beuteln muß insofern als glatte Fehlanwendung angesehen werden, da im
städtischen Abfall und in der Kanalisation ständig ausreichend Alternativnahrung zur Verfügung
steht (G
REENE
1992). Insgesamt darf Giftköder gegen Ratten nur nach sorgfältiger Vorköderung
mit unbegiftetem Lockstoff eingesetzt werden. -> Anhang B-Ratten
Einige Stichworte zum Thema Köder: Es gibt sie mit und ohne Gift und / oder Falle. Als
Lockmittel wird meist etwas zum Fressen angeboten. Außerdem kommen als Köder einige sehr
verschiedene Dinge in Frage, z.B. ein Duft, Nistmaterial, eine Versteckmöglichkeit, ein Stück
verdeckter Weg, Tränke (wo Wasser entfernt werden kann) - oder einfach ein neues Objekt, das die
Neugier reizt.
- Wo Lockstoffe nicht angenommen werden, kann auch Passiv-Köder zum Einsatz kommen.
Passiv-Köder wird - meist als Staub - so ausgebracht, daß er an den Tieren haften bleibt, wenn
sie damit in Berührung kommen. Da Nagetiere und Insekten einen Großteil ihrer Zeit damit
verbringen, sich zu putzen, nehmen sie dabei zwangsläufig das Gift mit auf. Als eine Art
Passiv-Köder können auch künstliche Verstecke angesehen werden, von denen aus Nematoden
aktiv in Schaben einwandern. Da diese Nematoden streng auf Schaben spezialisiert sind, ist
eine Verschleppung ausgeschlossen. Es können aber im Versteck weitere Schaben mit den
Nematoden infiziert werden.
- Ratten, Mäuse und Pharaoameisen haben Lieblingsspeisen, die hin und wieder wechseln. Dies
muß beachtet werden.
- Nicht nur die Zusammensetzung eines Köders muß stimmen, sondern auch die Konsistenz. Ist
der Köder zu trocken, tragen Pharaoameisen ihn möglicherweise als Nistmaterial nach Hause,
ohne ihn zu fressen. Auch bei Nagern muß damit gerechnet werden, daß sie Giftköder als
Vorräte sammeln, anstatt sich daran zu vergiften.
- Die notwendige Giftkonzentration kann je nach Art verschieden sein. Dies muß beim Kauf
beachtet werden.
- Aus verschiedenen Gründen werden meist langsam wirkende Gifte verwendet:
- Wenn Nager sich einmal an einem Köder den Magen verdorben haben, werden sie ihn
nicht wieder anrühren.
- Bei Ameisen nutzt es nichts, die Arbeiterinnen zu töten, solange die Königin im Nest
weiter Eier legt. Die Arbeiterinnen müssen lange genug leben, um ihre Königin und die
Brut im Nest zu vergiften, indem sie ihre Artgenossen im Nest mit dem Giftköder füttern.
- Die Versorgung mit gutem Ködermaterial ist nicht einfach, und der richtige Umgang damit ist
entscheidend für die Wirksamkeit der Methode: Der Lockstoff muß frisch sein. Besonders
Mäuse, aber auch andere Arten, reagieren sehr empfindlich gegen einen ranzigen
Beigeschmack von "Lock"-Stoffen. Der Lockstoff muß ähnlich behandelt werden wie
Lebensmittel, ohne daß dies zu Verwechslungen führen darf. Köder, Köderbehälter und Fallen
müssen separat und geruchsneutral aufbewahrt werden.
In der Praxis wird Ködermaterial, weil es Gift
enthält, in der Regel zusammen mit anderen Giften unter Verschluß gelagert. Dabei kann es unerwünschte
Gerüche annehmen und dadurch völlig unwirksam werden, obwohl es noch giftig ist. Der beste Köder nutzt aber
nichts, wenn er nicht angenommen wird.
- Das verwendete Gift darf keine Repellent-Wirkung haben.
- Ein begrenzender Faktor aller Köderverfahren ist die korrekte Ausbringung. Der Köder muß
die Tiere erreichen und darf gleichzeitig weder Kinder noch Haustiere, noch Wildtiere
erreichen. Sinnvollerweise befindet sich der Köder in einem Behältnis, welches nur der
Zieltierart erlaubt, an den Köder im Inneren zu gelangen. Mit das Beste ist derzeit
Insektenköder gegen Schaben und Ameisen in Tablettenform, der fest in Plastik eingeschweißt
ist; außerdem abschließbare Köderstationen für Nagetiere aus dickem Kunststoffmaterial, die