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10 - Anhang A4
Anwendungstechnik - Pestizide
Integrierte Schädlingsbekämpfung
zur zusätzlichen Sicherung beliebig tief im Boden verankert werden können. Derartige Teile
werden auch hohen Sicherheitsanforderungen gerecht.
- Man kann Köder selber mischen oder fertig kaufen. "Selber mischen" ist manchmal
notwendig, wenn fest etablierte Schädlingspopulationen mit stark ausgeprägten
Nahrungsvorlieben getilgt werden müssen. Ansonsten ist vom unnötigen Hantieren mit den
meist hochgiftigen Konzentraten abzuraten. Es gibt eine Fülle von Fertigpräparaten, die
außerdem nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zubereitet werden (z.B.
Entmischung vermeiden, Erhalt der Rieselfähigkeit auch im feuchter Umgebung, optimale
Lockstoffzusammensetzung, Begiftung von Körnern innerhalb der Schale, dauerhafte
Feuchtigkeit ohne Verschimmeln, Stabilität, Haltbarkeit bei Extrembedingungen).
Zur Zeit gibt es u.a. Köderverfahren für Ameisen, Schaben, Ratten, Mäuse, Motten, Pharaoameisen.
Wiederverwendbare Köderstationen für Insekten wurden erst kürzlich am Klinikum der Uni
Heidelberg entwickelt (Kommunale Briefe für Ökologie Nr. 3, 1995, S. 9-10). Wünschenswert sind
weiterhin die Angabe von Haltbarkeitsgrenzen und Lebensmittelkriterien für lockstoffhaltige Gifte.
In den letzten Jahren wird zunehmend Ködermaterial in Kartuschen oder Tuben zur Ausbringung in
die Schlupfwinkel angeboten. Diese Anwendungstechnik leitet nahtlos über zum nächsten
Stichwort -> Schlupfwinkelbehandlung. Auch wenn angeblich Schaben in ihren Schlupfwinkeln
keine Nahrung zu sich nehmen, wird diese Methode doch im Allgemeinen als sehr
erfolgversprechend angesehen (G
REENE
1992, Pest Control Technology (12) 1993, S. 18, 30).
Nachteil: Bei dieser Art der Köderausbringung liegt der Umfang der Risikominimierung wieder
völlig in der Verantwortung des Anwenders, da dieser die Anwendungsorte und die auszubringende
Menge wählen muß. Wo beispielsweise nach einer Schlupfwinkelbehandlung mit Borsäure
renoviert wird, können leicht Handwerker mit dem Gift in Kontakt kommen, ohne es zu ahnen.
Auch wird es wieder schwierig, nicht gebrauchte Rest-Köder-Mengen nach Behandlungsende
wieder einzusammeln; es sei denn, auch diese Köder werden in Behältern angeboten. Realistisch
betrachtet, wird bei der Ausbringung von Köder mit einer Die Rücknahme überschüssiger
Ködermengen wird - realistisch gesehen - in den meisten Fällen entfallen. Diesem Problem kann
die Verwendung einer "Köderpistole" (engl.: "baitgun") entgegenwirken, mit der punktgroße
Ködermengen für Schaben und Ameisen direkt in die Schlupfwinkel hinein oder in die Nähe der
Ameisenstraßen ausgebracht werden können.
Individuelle Giftköder können aus Konzentraten frisch und variabel selbst zubereitet werden - als
Flüssigkeit oder Paste, trocken oder feucht, mit Glyzerin hygroskopisch (= wasseranziehend, d.h.
dauerfeucht); das Hantieren mit Konzentraten erhöht allerdings das Fehlerrisiko ganz erheblich.
Eine Alternative wäre, kleine Chargen in verschiedenen Geschmacksrichtungen industriell zu
produzieren. Das wird in den USA von mindestens einem Hersteller bereits angeboten.
Nähere Angaben über die Verwendung von Ködern finden sich bei der Besprechung der einzelnen
Schädlingsarten im Anhang und dort besonders in den Hinweisen auf weiterführende Literatur.
Genauere Ausführungen müssen einer ausführlichen Ausarbeitung vorbehalten bleiben.
Weiterführende Literatur: Köder für Schaben (Q
UARLES
1995); -> Schlupfwinkelbehandlung
Schlupfwinkelbehandlung (Crack & Crevice, C&C)
Bei dieser Sonderform der Pestizidausbringung wird das Gift direkt und vollständig in die
Schlupfwinkel von Schädlingen hineingebracht - nach den Köderverfahren ist dies die zweitliebste
Methode der Giftanwendung integrierter Schädlingsbekämpfung im nicht-agrarischen Bereich.
Entwickelt wurde diese Methode für Schaben. Sie eignet sich aber für alle Tiere, die versteckt in
Schlupfwinkeln leben, und sogar für Nagetiere.