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Integrierte Schädlingsbekämpfung Anwendungstechnik - Pestizide
Anhang A4 - 11
Auch bei dieser Methode entfällt die Behandlung außenliegender Flächen völlig. Die gesamte
ausgebrachte Menge muß völlig im Schlupfwinkel verschwinden. Alles was herausquillt, wird
sofort wieder entfernt. Wenn der Wirkstoff repellierend ist, muß die innere Oberfläche des
Schlupfwinkels vollständig benetzt werden. Das kann selten sicher erreicht werden. Nur wenn der
Wirkstoff nicht repellent ist, genügt Teilbehandlung (z.B. Borsäure, Wachstumsregler, evtl auch
mikroverkapselte Wirkstoffe). -> Repellent-Wirkung, Resistenz
Diese Methode hat wesentliche Vorzüge gegenüber dem traditionellen "Ausspritzen und
Vernebeln":
- Der Mittelverbrauch schrumpft schlagartig auf höchstens ca 2% der vorher benötigten Mengen
(G
REENE
1992).
- Das Pestizid gelangt exakt dorthin, wo es wirken soll. Dadurch wird die "galenische
Verfügbarkeit" schlagartig maximiert.
- Die großflächige Kontamination entfällt, und damit zahlreiche Risiken, später für eventuelle
Schäden haftbar gemacht zu werden.
- Das Gift hält länger, weil es in den Schlupfwinkeln weitgehend vor Licht und Luft geschützt
ist.
- Die Vergiftungsgefahr für Bewohner der behandelten Räume wird schlagartig vernachlässigbar
klein.
- Der Praktiker kann evtl. mit mehreren Kleinbehältern gleichzeitig arbeiten, die am Gürtel
befestigt werden (Whitmire
System 3
) oder in eine Umhängetasche Platz haben (
Bait Gun
). Er
kann in einem Arbeitsgang mehrere Präparate nach Bedarf an verschiedene Stellen bringen,
anstatt schwerer Geräte mit großen Mengen einzelnen Zubereitungen, die aufgebraucht werden
müssen, bevor man ein anderes Präparat einfüllen kann.
Wirkstoffe, Zubereitungen und Ausbringungsmethoden, die sich für die Schlupfwinkelbehandlung
eignen:
- Wirkstoffe ohne oder mit nur geringer Repellentwirkung, z.B. Borsäure, Wachstumsregler und
evtl. auch Silikagel, Bendiocarb und Propetamphos; Zubereitungen als
wasseraufschwemmbare Pulver, Staub oder Mikroverkapselungen, Paste, Gel; Ausbringung
als Spray, Schaum oder Aerosol; mit einer dünnen Spitze aus weichem Kunststoff
(Spagettidüse) unter Druck, mit Portionierer für Köder.
- Köder als Paste, Gel, Staub oder "fließender Staub" mit Köderpistole o.ä. zur Ausbringung von
exakt abgemessenen, minimalen Ködermengen gegen Schaben in die Schlupfwinkel hinein
- inerter Staub bleibt ständig sichtbar, kann wieder entfernt werden.
- Wasseraufschwemmbares Pulver bleibt als sichtbare Schicht auf porösen Oberflächen, kann
wieder entfernt werden.
- Mikroverkapselungen halten den Wirkstoff fest und entlassen ihn (hoffentlich) nur langsam.
Das verringert u.U. die Repellent-wirkung.
- Schaum ist (zumindest bei der Ausbringung) sichtbar, breitet sich gut aus, Haltbarkeit und
Festigkeit können beliebig eingestellt werden. Eventuelles Eindringen von leicht
verflüssigbarem Schaum in poröse Oberflächen bedenken, bei porösen Oberflächen auf andere
Formulierung ausweichen.
- ULV-Aerosolspray aus der Sprühdose verteilt sich gut, wenn der gesamte Sprühstrahl in den
Schlupfwinkel hineingelangt. Es hat den Vorteil, daß es einfach anzuwenden ist und nicht
angemischt werden braucht (R
EIERSON
1973). Aerosolspray eignet sich für Staub (K
OEHLER
&
al. in R
UST
& al. 1995, S. 292 f.).
Zu beachten: