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Scholl (1995)
Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B1 / Ameisen - 1
Anhang B-1
Ameisen; Pharaoameisen
1. Erkennungsmerkmale
Vielzahl; kleine Krabbeltiere, die meist morgens zuerst auffallen; wenn ohne Flügel, dann meist in
der Küche, wenn mit Flügeln, dann i.d.R. aus einem Loch in Fußbodennähe; gekniete Antennen,
Wespentaille; wenn Flügel vorhanden, dann mit wenigen Adern, Vorderflügel größer als
Hinterflügel.
2. Stellung im Naturhaushalt
Im Naturhaushalt haben die Ameisen zentrale Rollen wie Abfallverwertung und Reinigung,
außerdem zahllose weitere. Sie sind äußerst vielseitig. Allgemeine Aussagen über Ameisen sind
kaum möglich, da selbst eng verwandte Ameisenarten völlig unterschiedliche Lebensgewohnheiten
haben. Ameisen sind in sehr vielen Nahrungsketten vertreten. Viele ernähren sich räuberisch von
anderen Insekten, während andere als Allesfresser pflanzliches Material wie Pollen, Nektar etc
genauso fressen wie das tote oder lebende Fleisch von Wirbeltieren und Wirbellosen. Einige Arten
sind reine Pflanzenfresser, während andere als Mitesser in den Nestern von anderen Ameisen leben.
3. Verhältnis zum Menschen
Im menschlichen Nahbereich fungieren die Ameisen ebenfalls als Helfer, indem sie
bakterienverseuchte Abfälle fressen. Die Mithilfe der Ameisen bei der Hygiene und
Schädlingsbekämpfung ist - besonders in wärmeren Ländern - kaum schätzbar. Viele Arten fressen
gerne tote Tiere und fauliges Pflanzenmaterial aller Art, außerdem Flohlarven und Schaben.
Manche Arten halten auch Mäuse fern. Die Ameisen tragen so regelrecht zur Schädlingsabwehr
bei. Im Haus sind sie dennoch nicht gerne gesehen. Ameisen erinnern uns gnadenlos ständig
daran, den Haushalt ordentlich zu führen, was natürlich - gerade im Sommer - ohnehin angebracht
ist. Durch ihr Herumlaufen auf stehengelassenen Lebensmitteln, Resten und Abfällen können sie
sehr lästig werden.
Mit Ameisen im menschlichen Nahbereich in Mitteleuropa gibt es einige verschiedene Probleme:
- Nest im Freien: Arbeiterinnen (Ameisen ohne Flügel) im Haus, besonders bei länger
dauerndem Regenwetter im Frühling und Frühsommer, die durch eine Öffnung (Tür-,
Fensterschlitz, Luftklappe u.ä.) nach draußen ein- und ausgehen. Meist erscheinen sie
schlagartig über Nacht in Massen an irgendwelchen süßen Sachen. Zu dieser Zeit sind die
Ameisenstaaten schon stark gewachsen, und es gibt sehr viele Larven zu füttern. Wenn es dann
für längere Zeit regnerisch und kühl wird, werden die Arbeiterinnen immer erfinderischer, um
alle Individuen satt zu bekommen. So kommen sie dann ins Haus. Wenn sie dort reichlich