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Integrierte Schädlingsbekämpfung
7Anhang B1 / Ameisen
9.1. Erkennungsmerkmale
Winzig kleine, hell-honigfarbene Ameisen, die auch im Winter aktiv sind, ihre Nester immer im
Haus haben, und die nicht nur Süßes, sondern auch Fleisch, Wurst u. ä. wegtragen. Der Befall fällt
oft erst auf, wenn er schon längere Zeit bestanden hat. Pharaoameisen sind überwiegend
nachtaktiv. Fliegen, Spinnen u.ä., die auf Fensterbänken sterben, werden so leergefressen, daß der
harte Panzer mit Flügeln und Beinen als federleichte Mumie zurückbleibt.
9.2. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde
Ursprünglicher Lebensraum der Pharaoameisen sind die Nester anderer Ameisen, in denen sie als
Diebsameisen und Mitesser leben. Ihre Lieblingsspeise sind tote Insekten.
9.3. Verhältnis zum Menschen, Schaden, Gesundheitsgefahren
Pharaoameisen sind inzwischen weltweit verbreitete Kulturfolger; gehäuftes Vorkommen in den
warmen Ländern rund um den Äquator, in Mitteleuropa besonders in den Ballungsräumen,
Verbreitung über zentrale Versorgungseinrichtungen, wie Fernheizungen, Großbäckereien,
Wäschereien. Nach Augenzeugenberichten haben Pharaoameisen in einem polnischen Wohnhaus
ein Pfund Hackfleisch in einer Nacht weggetragen.
In Krankenhäusern geht von Pharaoameisen ein erhebliches hygienisches Gefährdungspotential
aus; Fähigkeit zum unbemerkten Eindringen in Petrischalen (E
ICHLER
1964-1990); Vorliebe für
Speichel, Schweiß, Wundsekrete, Gewebeteilchen von hinfälligen Personen.
In Gemeinschaftseinrichtungen Ausbreitungsgefahr durch verschleppte Tochterkolonien; in
sonstigen Arbeitsräumen; (Sozialisierung: die Menschen sprechen miteinander, wenn sie ein
gemeinsames Problem haben.) Wenn Mitarbeiter einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit der
Beobachtung der Ameisen verbringen, haben sie entsprechend weniger Zeit für ihre Arbeit. In
Wohnräumen gesunder Erwachsener sind die Ameisen irritierend und ekelerregend, aber nicht
direkt schädlich. Dort können sie sogar helfen, andere Insekten zu beseitigen. Sie können sogar
regelrecht nutzbar gemacht werden: Schädlingsbekämpfung: in Gebäuden mit längerdauerndem
Pharaoameisenbefall gibt es kaum je Schabenprobleme. ( E
ICHLER
1993, mündl. Mitt.).
9.4. Biologie & Ökologie
Pharaoameisen sind äußerst wärmebedürftig. Bei 11°C sind die Kolonien unbeweglich; bei 18°
bewegen sie sich langsam; erst bei bei 25°C sind sie voll aktiv. Zum dauerhaften Überleben
brauchen sie ständig 25°C.
In den Nestern von Pharaoameisen gibt es viele Königinnen; etwa eine auf 200 Arbeiterinnen. Die
Königinnen laufen mit den Arbeiterinnen zusammen umher und beteiligen sich auch an der
Nahrungssuche. Dabei sind sie immer von einigen Arbeiterinnen umgeben. Eine Königin mit 3-4
Arbeiterinnen ist in der Lage, einen neuen Staat zu gründen.
Umfassende Darstellung bei B
ERNDT
&
E
ICHLER
(1987)