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Feuchtigkeit / Anhang B-2
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E. Scholl (1995)
Obwohl Wasser immer Wasser ist, gibt es sehr viele unterschiedliche Arten von Feuchtigkeit, die
hier nur grob umrissen werden können.
Zunächst die Luftfeuchtigkeit: Es wird unterschieden zwischen relativer Luftfeuchtigkeit, der
absoluten und der maximalen Luftfeuchtigkeit.
- Die maximale Luftfeuchtigkeit ist die Wassermenge in Gramm, die sich bei einer bestimmten
Temperatur maximal in 1 kg Luft lösen kann (Sättigungsfeuchte).
- Die relative Luftfeuchte gibt an, wieviel % der maximal löslichenWassermenge die Luft
enthält. Das ist der allgemein gebräuchliche Maßstab.
- Die absolute Luftfeuchte ist die Menge in Gramm, die sich im Moment in 1 kg Luft befindet.
Zwischen der relativen Luftfeuchte, der absoluten Luftfeuchte, der Temperatur, dem
Sättigungsdampfdruck, dem Taupunkt und Kondenswasser bestehen enge Zusammenhänge
Luft enthält fast immer etwas Wasserdampf. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit halten als kalte.
Die nachfolgende
Abbildung
und
Tabelle
zeigen, wieviel Wasser sich bei bestimmten
Temperaturen maximal in der Luft lösen kann. Das ist die 100%-Grenze der relativen
Luftfeuchtigkeit, die gleichzeitig der Taupunkt bei dieser Temperatur ist.
Bei 30°C können sich maximal rund 30 mg Wasser pro Liter Luft lösen, bei 20°C nur noch 17 mg Wasser und in 10°C
kalter Luft sind es nur noch gut 9 mg Wasser. Die Luft, die der Mensch ausatmet, hat immer Körpertemperatur und ist
wasserdampfgesättigt. Diese Luft enthält etwa 44 mg Wasser pro Liter. In der Luft über kochendem Wasser (90°C)
können sich 589 mg Wasser pro Liter lösen.
Wenn feuchte, warme Luft abkühlt, fällt das überschüssige Wasser als Nebel, Kondenswasser oder
Rauhreif dort aus, wo die 100%-Grenze - der Taupunkt erreicht wird.
Das geschieht zum Beispiel in schlecht gelüfteten Räumen ohne ausreichende Außendämmung im Winter,
- wo die Raumtemperaturen zwischen Zimmerdecke / Innenwand und Fußboden / hinter Möbeln an der Außenwand
im Winter bis zu 7°C voneinander abweichen können,
- wenn der Ofen nachts ausgeht.
- wenn mit feuchtwarmer Küchenluft das kalte Wohnzimmer durch die offene Tür "mitgeheizt" wird
Oft setzt sich das Wasser an der Grenze zwischen verschiedenen Materialien mit unterschiedlicher
Wärmekapazität ab; zum Beispiel am Fenster oder auf der Kaltwasserleitung.
Die sogenannte Behaglichkeitszone für den Menschen liegt bei 18-23°C und 20-80%
Luftfeuchtigkeit (s.
Abbildung
). Zwischen Sommer und Winter gibt es geringfügige Unterschiede.
Mit zusätzlicher Lüftung wird etwas mehr Wärme und / oder Feuchtigkeit ertragen, mit warmer
Kleidung und Bewegung auch kältere Temperaturen. Wichtig für das Wohlbefinden sind auch
Schwankungen. Der Bereich der Behaglichkeitszone, in dem Menschen sich wohlfühlen, ist in der
Abbildung
dunkler markiert. Punktiert sind die Bereiche oberhalb 23°C und bis 100% Luftfeuchte,
in denen sie es bei Wind, mit zusätzlicher Lüftung im Sommer gerade noch aushalten. Der Feuchte
/ Temperatur-Bereich unterhalb 18°C, in dem es mit warmer Kleidung, bzw. viel Bewegung
(Winter) gerade noch erträglich ist, ist ganz dunkel markiert.
Alle Temperatur- und Feuchtebereiche außerhalb dieser Behaglichkeitszonen können kurzfristig
sehr positiv wirken - beispielsweise in der Sauna, sind aber auf die Dauer unerträglich.
Überall dort, wo die relative Luftfeuchte 70% erreicht oder übersteigt, können Schimmelpilze
wachsen.