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Flöhe / Anhang B-3
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E. Scholl (1995)
Abgesehen davon ist das Verhältnis zwischen Menschen und Flöhen, je nach Art, Umgebung und
Klima überaus veränderlich und vielschichtig (s.u.: Floharten; Übersichtstabelle Flohmanagement
- Netzwerk).
Mindestens vier
Situationen
müssen klar unterschieden werden:
- mit erwachsenen Flöhen befallene Haustiere
- `Nest´ mit Flöhen, im Haus oder im Freien
- die schlagartige Flohplage nach Entfernung des Wirtes
- die Flohplage in Krisenzeiten.
Wo immer der Mensch den Flohlarven ihre jeweiligen Sonderwünsche erfüllt: (z.B. gleichmäßig
lauwarmes, feuchtes, verstaubtes, lichtgeschütztes Nistmaterial), bleiben sie, sobald sie den Platz
entdecken. Glücklicherweise ist der Mensch nur bei wenigen Arten dazu in der Lage.
Zu unterscheiden sind diverse
Problemorte und -zeiten.
Bei unsauberer Tierhaltung die Ställe der
Tiere oder die Wohnungen der Tierhalter befallen werden. Die von Wochenstuben und
Sterbebetten verwilderter Hauskatzen ausgehenden Flohplagen können besonders in
Krankenhäusern und anderen öffentlichen Gebäuden zu notstandähnlichen Situationen führen.
Weitere Lebensräume für Flöhe in menschlicher Umgebung sind Nester von Wildtieren innerhalb
und außerhalb von Gebäuden. In Krisenherden eröffnen die menschlichen Lebensräume den
Flöhen regelmäßig schlagartig neue Lebensräume. Das größere Umfeld spielt eine Rolle, die wir
Mitteleuropäer fast vergessen haben, da dies erst in Krisenzeiten durch die Seuchenübertragung
zutage tritt.
Je nach Ort; Zeit und Intensität des Problems müssen die jeweils notwendigen
Aktivitäten
entsprechend unterschiedlich ausfallen. Sie reichen von Flohnachweis und umfassender
Befallsermittlung über den Personenschutz, Soforthilfe, Großeinsatz, Langzeitstrategie und
Vorbeugung bis hin zum vorsorglichen Krisenmanagement.
Mit der Koordination der diversen
Verantwortlich- und Zuständigkeiten
wird es immer
komplizierter, da in der Praxis genau dort die Flohprobleme wachsen, wo es daran hapert. Die
Verantwortlichen (Tierhalter und sonstige Betroffene, Tierärzte, Hauseigentümer,
Bauingenieure/Handwerker, Schädlingsbekämpfer, Behörden/Öffentlichkeit und Landschaftsplaner,
Militär) wissen oft nichts voneinander und / oder nichts von Flöhen. Das kann geändert werden.
Schwerer fällt i.d.R., konkurrierende Interessen zur gemeinschaftlichen Strategie zu bewegen.
Variable, die das Leben von Flöhen stark beeinflussen, sind beispielsweise:
- Haustiere inclusive Besuche, sowie deren Freilandaktivitäten,
- "Beutetiere" des Menschen und seiner Haustiere,
- Strukturmängel der menschlichen Behausungen,
- die Heiz-/Lüftungs-/Reinigungsgewohnheiten und das daraus resultierende Mikroklima in den feuchten Ecken der
menschlichen Behausung und deren Umgebung.
- Siedlungsbau in den Lebensräumen flohbefallener Wildtiere.