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Flöhe / Anhang B-3
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E. Scholl (1995)
2.3. Gesundheitsgefahren:
In Mitteleuropa werden Flöhe z.Zt. in erster Linie wegen der Belästigung durch Stiche bekämpft.
Flöhe sind auch Zwischenwirte für verschiedene Bandwurmarten, müssen aber zu deren
Übertragung verzehrt werden. Tiere fressen zahlreiche Flöhe beim Putzen (H
INKLE
1992).
Gefürchtet werden die Flöhe wegen ihrer Fähigkeit, Pest (
Yersinia pestis
)zu übertragen. Diese
Gefahr besteht allerdings derzeit in Europa nicht, in anderen Erdteilen aber durchaus. Außerdem
sind Flöhe an der Übertragung weiterer mikrobieller Krankheiten beteiligt, wie muriner Typhus
(
Rickettsia mooseri
) und vermutlich auch Flecktyphus. Dadurch, daß sie bei der Wahl ihres
Transporteurs und zum Teil auch Blutspenders sehr flexibel sind und daß sie ihren Wirt sofort
verlassen, sobald der in Lebensgefahr gerät oder seine Körpertemperatur sich ändert (bei Fieber
oder Tod), tragen sie in Krisenzeiten erheblich zur Ausbreitung von Seuchen bei.
Die Pest, bei deren Übertragung Flöhe eine zentrale Rolle spielen, beendete z.B. den Dreißigjährigen Krieg, weil die
Kämpfer wegstarben. Bis in die jüngste Vergangenheit kamen in den Kriegen mehr Menschen durch von Insekten
(besonders Läuse und Flöhe) übertragene Krankheiten ums Leben als durch Waffengewalt. Auch nach
Naturkatastrophen besteht immer die Gefahr der Seuchenverbreitung durch Flöhe, sobald es warm genug ist.
Hier liegt das wahre Hauptproblem in Zusammenhang mit Flöhen, das jeder, der damit zu tun hat,
sich immer wieder vor Augen halten sollte.
2.4. Ausbreitungsstrategie:
Flöhe werden in der Regel mit ihren Wirten transportiert. Das Sprungvermögen der verschiedenen
Arten ist eng an die Beinlänge, Bewegungsgeschwindigkeit und Wohnungsgröße des Hauptwirtes
angepaßt.
Menschen-, Katzen-, Hunde-, Katzen-, Fuchs-, Geflügelflöhe u.a. springen bis nahezu 50cm weit und 30cm hoch; die
Flöhe von kleinen Säugern und Vögeln die in engen Höhlen leben, springen 7-15 cm weit und wenig hoch, auch
ungern. Fledermausflöhe bewegen sich nur nach oben kletternd. Sie springen sehr ungern und höchstens 1-2cm weit
(P
EUS
1953).
Wenn sie ihren Wirt verlieren, weil er einem Raubtier bzw. Raubvogel zum Opfer fällt, springen
Flöhe gewöhnlich schon binnen einer Minute von diesem ab, meist auf den Räuber. Sie entgehen
so der Gefahr, verschlungen zu werden und erwerben wenigstens vorübergehend eine
Nahrungsquelle (K
AESTNER
1973). Da die Flöhe mit dem betreffenden Tier in seine Behausung
geschleppt werden, stellt deren Flohbevölkerung auf diese Weise ein getreues Spiegelbild der
Beutetiere des Räubers dar (P
EUS
1953).
3. Artenzahl insgesamt und Schadarten
1973 waren weltweit ca 1600 Floharten bekannt, im Jahr 1979 waren es bereits 2237. In
Deutschland gibt es über 50 Floharten, von denen 6 den Menschen mehr oder weniger häufig
stechen (K
EMPER
1950).
I
OFF
(1942) hat 71 Floharten diesbezüglich experimentell durchgeprüft und dabei 36 Arten leicht, 6 schwer und die
übrigen 29 nicht zum Blutsaugen am Menschen bringen können (P
EUS
1953, S. 39).