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Mäuse / Anhang B-4
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E. Scholl (1995)
8. Entwicklung, Stadiendauer, Brutplätze
Geburtsgewicht 1-2g; 1cm lang, nackt und blind, Augen öffnen nach 3 Tagen, Haare nach 9-10
Tagen, "Flohalter" ab ca 16 Tage, geschlechtsreif mit 6-10 Wochen;
Mäuse sind überwiegend dämmerungsaktiv; bei Überbevölkerung auch tagsüber.
Sie brauchen täglich verwertbare Nahrung. Einige Gramm sind unbedingt erforderlich, obwohl
auch andere Stoffe benagt werden, besonders bei Nahrungsmangel. Mäuse fressen an etwa 40
Plätzen pro Tag. Jede Menge Insekten, wenn vorhanden. (Schabeneindämmung). Hausmäuse
können sogar ohne Wasser dauerhaft überleben.
Bei gewachsenen, lange ungestörten Familienverbänden kommt auch Gewöhnung an einzelne
Lebensmittel vor. Dann sind die Tiere äußerst konservativ.
Mäusereviere sind in Häusern meist nur wenige m² oder ³ groß. Im Freiland sind sie viel größer.
Überwintern, Die Wärmebedürftigkeit der Hausmäuse ist ihr Hauptproblem in Mitteleuropa. Der
Winter ist in mitteleuropäischen Breiten oft tödlich. Im Februar gibt es die wenigsten Mäuse. In
Häusern mit gleichwarmen Temperaturen können sie sich aber auch ganzjährig vermehren.
besonders die neugeborenen Jungtiere brauchen eine gleichbleibende Nesttemperatur von 30°C.
Bei langsamer Gewöhnung an kaltes Klima bildet sich eine kälteresistente Unterart mit kleinen
Füßen und Ohren und dichterem Fell heraus.
Mäuse sind gesellige Tiere. Sie haben eine ausgeprägte Körpersprache und putzen sich gegenseitig.
Mäuse sind geradezu krankhaft neugierig, besonders das dominante Männchen; sie sind
Klettertiere und können auch springen, fallen, schwimmen. Bei der geringsten Gefahr flüchten sie
in dunkle Löcher. Das Fluchtverhalten wurde bei den Labormäusen herausgezüchtet, kehrt aber in
der Wildnis schnell zurück.
Junge Männchen werden bei Erreichen der Geschlechtsreife aus dem Revier verdrängt. In jedem
Revier gibt es ein dominantes Männchen, manchmal auch dominante Weibchen. Deren Reviere
sind aber durchweg kleiner sind als die der Männchen. Die Reviergröße variiert je nach Nahrung,
Versteckmöglichkeiten, Familiengröße und Störungsmenge). Reviergrenzen werden mit Urin
markiert, Weibchen sind monogam; teilweise gemeinsame Aufzucht der Jungen; die Dominanz
wird ständig in Frage gestellt; Vermehrung nur mit Revier. Es wird angenommen, daß der Geruch
im Urin des dominanten Männchens die Geschlechtsreifung der übrigen Männchen unterdrückt.
Jungtiere meiden deren direkte Umgebung nach Möglichkeit.
Pheromone und Gibberellinsäure (= ein pflanzliches Wachstumshormon) steuern die Fortpflanzung.
Tragzeit 19-22 Tage. Durchschnittlich 5-6 Junge pro Wurf. Auffällig ist die sehr hohe
Säuglingssterblichkeit. Auch die jungen Mäuse sind sehr empfindlich. Im Freiland erreicht nur
etwa die Hälfte der Geborenen das Stadium der Selbständigkeit. Die Sterblichkeit nimmt bei
Überbevölkerung, Hunger, Kälte und Streß noch zu. Kannibalismus durch dominante Männchen,
aber auch bei Störung - die Mütter selbst fressen ihre Jungen bei Streß u.U. einfach auf. Nach dem
Werfen werden die Weibchen innerhalb von 6-24 Stunden erneut paarungsbereit. Die Weibchen
haben durchschnittlich 7,6 Würfe und bis zu 100 Junge pro Saison. Im Alter von 15 Monaten
kommen die Weibchen ins Klimakterium, wenn sie so alt werden. In Gefangenschaft kann ein
Mäuseleben einige Jahre dauern, in Freiheit meist weniger als ein Jahr. Die monatliche