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E. Scholl (1995) Richtlinien - Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B-5 / Milben - 1
Anhang B-5 / Milben
1. Erkennungsmerkmale.
Winzige weiße bis graue Punkte, die mit dem bloßen Auge kaum oder nicht zu erkennen sind und
sich langsam bewegen, auf befallenen Materialien oder Gewebe; bei starkem Befall wie eine graue
Schicht. Bei Arten, die sich in die menschliche Haut einbohren, Juckreiz oder Entzündung der
befallenen Körperpartien; Allergien, Asthma.
2. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde;
Für den Naturhaushalt sind Milben unersetzlich. Sie sind überall. In ihrer Gesamtheit sind sie
verblüffend vielseitig und passen sich an unvorstellbare Lebensräume an. Milben leben z.B. auf
nacktem Fels, im ewigen Eis, im Grundwasser, auf der Meeresoberfläche, auf den Nasenspitzen von
Robben, in den Gehörorganen von bestimmten Motten, ...). Bei widrigen Umständen können sie
langlebige und äußerst widerstandsfähige Dauerstadien bilden, die überdies staubleicht sind, mit der
Luft verwirbelt werden und nur bei absoluter Windstille sehr langsam zu Boden sinken. In dieser
Form können Milben angeblich Jahre überdauern. Sobald diese Dauerstadien auf geeigneten
Nährboden fallen, können sich bestimmte Arten blitzartig massenhaft vermehren, oft
parthenogenetisch (= ohne sich vorher zu paaren). Milben sind immens wichtige Zersetzer von
Bestandsabfällen. Natürliche Feinde der Milben im menschlichen Lebensraum dürften - abgesehen
von der Winterkälte - in erster Linie andere Milben sein.
Da Milben bis auf Ausnahmen winzig klein sind und alle gleich aussehen, ist es kaum möglich, alle
auseinanderzuhalten (
, wenngleich einzelne, hochspezialisierte Fachleute dieser Feststellung energisch
widersprechen werden
). Vermutlich sind die wenigsten Arten bisher bekannt; jedenfalls ist eine hohe
Dunkelziffer anzunehmen.
Die meisten Milbenarten sind hochspezialisiert und können nur bei ganz bestimmten Bedingungen
leben. Sobald etwas fehlt, verschwinden sie. Bei einigen Arten besteht die Spezialität darin, daß
sie keine Spezialität haben. Deshalb können diese Arten überall vorkommen.
Milben sind also extreme Tiere. Sie sind in der Regel die allerersten Tiere, die jeden neuen
Lebensraum besiedeln, sei es ein Neubau oder eine Insel nach einem Vulkanausbruch. Sie
brauchen nichts und können alles. Ihr Wirken hat daher eine elementare Bedeutung bei der
Vorbereitung der Lebensräume für weitere Organismen.
Extrem ist auch die Ernährung der Milben, sowohl als Nahrungsspezialisten wie auch als
Allesfresser. Unter den Milben gibt es z. B. Räuber, Aasfresser, Pflanzenfresser, Säftesauger,
Bakterienfresser, Schimmelpilzfresser, Abfallfresser, Parasiten.