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Milben / Anhang B-5
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E. Scholl (1995)
3. Verhältnis zum Menschen; Schaden, Gesundheitsgefahren
Da die Milben so klein sind, bekommt meist nur der sie zu sehen, der nach ihnen sucht. Für alle
anderen Menschen bleiben sie unsichtbar. Da sie wirklich überall sind, besiedeln sie natürlich auch
den Lebensraum des Menschen und sogar seinen Körper.
Allein im menschlichen Gesicht haben drei Arten ihren natürlichen Lebensraum - völlig unbemerkt - ohne zu stören.
Mindestens eine Milbenart hat wohl jeder Mensch - in den Poren der Nasenhaut - die nur dort überleben kann.
Manche Milben, z.B. Krätzmilben und Herbstmilben, verursachen Juckreiz und saugen Blut und
fallen deshalb leichter auf, obwohl auch sie oft verkannt werden.
Milben sind maßgeblich an der Verbreitung von Allergenen und Toxinen beteiligt
: Der
Mensch verliert pro Tag 0,7 - 1,4 Gramm Hautschuppen (G. Rack in Weidner 1993). Wenn die
relative Luftfeuchte der Umgebung 60-70% oder höher ist, wachsen darauf Mikroorganismen und
Schimmelpilze und erzeugen dabei ihre arteigenen Abfallprodukte. Von den so vorbereiteten
"Nähr"-stoffen ernähren sich einige Milbenarten, die mit dem Sammelbegriff Hausstaubmilben
bezeichnet werden. Die Mikroorganismen und Schimmelpilze erzeugen außer Nährstoffen starke
Allergene und Toxine. Das bringt die Milben zwar nicht um (schließlich sind sie auf diese Nahrung
spezialisiert); sie scheiden diese Stoffe aber unverdaut mit dem Kot wieder aus, oder sie lagern sie
irgendwo unter der Haut ein. Bei der nächsten Häutung werden die Giftstoffe dann einfach mit der
alten Haut abgelegt. Dementsprechend enthalten Kot und Häutungsreste der Hausstaubmilben
einen hohen Anteil an Pilz- und Mikroorganismen-Rückständen. Diese Rückstände belasten die
menschlichen Abwehrkräfte u.a., wenn sie - getrocknet und pulverisiert - in die Atemluft gelangen
oder wenn sie gegessen werden.
Die Staub- und Schmutzbewohner und Schimmelpilzfresser (
aus der Unterordnung Sarcoptiformes
) sind
die häufigsten Milben im menschlichen Lebensraum . Sie leben an feuchten Orten, häufig nach
Vorschädigung durch Schimmelpilze und/oder Insektenbefall.
Immunstreß
: Die mit Abstand häufigste Wirkung der Milben auf den Menschen dürfte wohl in
deren hohem Anteil am Gesamt-Streß für das menschliche Immunsystem liegen. Daran sind
sämtliche Milben beteiligt, deren Körper, Körperflüssigkeiten oder Rückstände auf irgendeine
Weise in den Körper hineingelangen:
- mit der Nahrung durch Mehl- und andere Vorrats-Milben,
- in der Atemluft durch Staubmilben und andere Hausmilben, und
- durch die Haut bei Krätzmilben.
Das ist schwer zu begreifen, da die Milben so klein sind.
Der Immunstreß durch Milben tritt kaum je allein auf, im Gegenteil: oft ist er das Ende einer
langen Kette, die damit beginnt, daß sich Menschen nicht mehr genügend Zeit nehmen, für ihr
allgemeines Wohlbefinden zu sorgen, z.B. ausreichend Bewegung an der frischen Luft, gründliches
Lüften des Schlafzimmers am Morgen, selbst zubereitete Nahrung aus frischen Zutaten, (s.o.: S. 4f,
27f.). Der Milbenstreß potenziert so nicht nur die Schimmelpilzreizstoffe, er potenziert gleichzeitig
zahlreiche weitere Streßfaktoren, mit denen der Mensch außerdem noch konfrontiert wird. Darin
liegt ein Problem, mit dem sicher eine wachsende Zahl von Krankheiten in Verbindung gebracht
werden muß.