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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-5 / Milben
- Dauernymphen, die kurze, ja bei manchen Arten nur stummelartige oder gar keine Beine (Glycyphagus
domesticus, ) haben und sich wenig oder garnicht bewegen. Manche bleiben sogar in der Kutikula der
Protonymphe liegen. Die Mundwerkzeuge sind zu kleinen Höckern reduziert. Solche Dauernymphen sind, em
Gegensatz zur Wandernymphe, sehr unempfindlich gegen Trockenheit und Extremtemperaturen. Das
Dauerstadium der Mehlmilbe z.B. bleibt monatelang in trockenem Mehl am Leben, erträgt 14 Tage lang + 34°C,
und die Halfte der Individuen übersteht einen 24-stündigen Aufenthalt bei -7°C. Sie können das Leben einer
Kolonie monatelang latent bei gewöhnlicher Zimmertemperatur und entsprechend geringer Feuchtigkeit
aufrechterhalten, unter Bedingungen also, die den anderen Stadien in mindestens 24 Stunden todbringend sind.
Die Sarcoptiformes haben einen gedrungenen Rumpf und sind weißlich bis gelblich. Ihre
Cheliceren sind meist scherenförmig. Manche Vorratsmilben, insbesondere Acarus, Glycyphagus
und Rhizophagus gehen gelegentlich auf den Menschen (Lagerverwalter, Verladearbeiter) über und
verursachen allergische Erscheinungen (
Trugkrätze
) wie lebhaftes Hautjucken,
Bindehautentzündung, Asthma usw. Sogar bloßer Milbenstaub (Häutungs- und Kotreste,
Leichenteile von Milben) kann auf dafür empfindliche Menschen so wirken. Dementsprechend ist
auch der Genuß milbenhaltiger Nahrungsmittel für den Menschen und die Haustiere schädlich.
Hausstaubmilben
, ein Sammelbegriff für verschiedene Gattungen und Arten, die alle mit Vögeln
und Säugetieren, einschließlich Mensch, vergesellschaftet sind oder in Futtervorräten vorkommen.
In Mitteleuropa sind es hauptsächlich zwei Arten, Dermatophagoides pteronyssinus und
Dermatophagoides farinae, die im Hausstaub fast jeder Wohnung leben. Die Lebensweise beider
Arten ist im wesentlichen dieselbe. Männchen und Weibchen werden 50-70 Tage alt und
produzieren etwa 25-35 Eier. Sie benötigen 25°C Wärme bei 60-70% relativer Luftfeuchte und
fressen am liebsten die oben erwähnten, vorverdauten Hautschuppen-Reste.
In Häusern findet man die Hausstaubmilben im Staub der Fußböden, Teppichböden, Teppiche, Polstermöbel,
Matratzen, Bettwäsche usw. Reichliches Nahrungsangebot, günstige Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse in den
Wohnungen begünstigen nicht nur ihre starke Entwicklung, sondern auch diejenige bestimmter Schimmelpilzarten, mit
denen sie in wechselseitiger Beziehung stehen. Als Nahrung dienen Hautschuppen von Mensch und Tier. Im Bett, auf
Polstermöbeln und auf dem Fußboden finden die Milben Schuppen in reichlicher Menge, denn der Mensch verliert pro
Tag 0,7-1,4 Gramm Hautschuppen. Die Schuppen können aber so, wie sie vom Menschen abgegeben werden, von den
Milben nicht verdaut werden, der Fettanteil ist für sie sogar giftig. Die Milben sind darum auf Mikroorganismen
angewiesen, die die Schuppen vorverdauen. Es sind einige Schimmelpilzarten, die das tun, und die immer zusammen
mit ihnen vorkommen. Die vorverdaute, halbflüssige Masse sammelt sich außerhalb der Pilzhyphen an und wird von
den Milben aufgenommen. Die Milben können Allergien hervorrufen. Das Allergen stammt offensichtlich von den
Schimmelpilzen, wird von den Milben mit der Nahrung aufgenommen, im Darm gespeichert und mit dem Kot
ausgeschieden. durch Einatmen des Kotes - vor allem beim Bettenmachen - kann es zu Hausstauballergien in Form von
Bronchialasthma, Rhinitis und auch Hautrötungen kommen. (R
ACK
in W
EIDNER
1993)
Polster-
oder
Hausmilbe
,
Glycyphagus domesticus,
DE
G
EER
, 0,3 - 0,75 mm lang, lebt
hauptsächlich in getrocknetem pflanzlichen Material, insbesondere Heu, und kommt demgemäß in
Ställen, Heuböden, Polstermöbeln, Matratzen sowie Taubenschlägen vor.
Zu manchen Zeiten verwandeln sich bis zu 40% der Protonymphen von G. domesticus in heteromorphe
Dauernymphen, die einen unbehaarten ovalen Körper ohne Beine haben und in der Kutikula der Protonymphe
verbleiben. Die Weiterentwicklung dieses Dauerstadiums zur Tritonymphe erfolgt meist nach mehr als 3 Monaten in
114 - 471 Tagen. Trocknet also zur Polsterung benutztes Heu bzw. eine Wohnung vorübergehend aus, so können sie
nach Wiedereintreten von Feuchtigkeit noch nach mehr als einem Jahr sogleich wieder von Milben besiedelt werden.
Pflaumenmilbe
, Lepidoglyphus destructor, eine weitere Milbe des Hausstaubes.
7.2. Befallsanzeiger, -nachweise, -überwachung, Fallen / Hausstaubmilben