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E. Scholl (1995) Richtlinien - Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B-6 / Motten - 1
Anhang B-6 / Motten
1. Erkennungsmerkmale
Bleiche, matt-gelblich oder bräunlich schimmernde schmale Motten mit unsicherem Flatterflug
oder in etwas wackeligem Hops-Lauf, die nicht gerne fliegen und erschrocken ins Dunkle flüchten,
tauchen besonders im Sommer auf, wenn man Wollsachen aufhebt, die längere Zeit gelegen hatten.
Typisch für den Mottenbefall sind weiterhin die seidigen Gespinste und unregelmäßig große
Kotbröckchen. Von Motten angefressene Materialien haben unregelmäßig ausgefranste, über die
gesamte Fläche verteilte, meist kleine Löcher. Oft sind auch nur abstehende Fasern abgeknabbert,
ähnlich wie rasiert.
Die Fraßlöcher des Teppichkäfers dagegen sind eher auf wenige Bereiche beschränkt, scharf begrenzt und können recht
groß werden
.
2. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde
In der Natur ernähren sich die Larven der Motten von vertrockneten Tierkadavern. Sie wurden
auch in Vogelnestern und Bienenstöcken gefunden. Ökologisch gehören sie zu den Aasbewohnern.
Gegen Ende der Verwesung fressen sie die Keratin-haltigen Überreste (Haare, Wolle, Fell, Horn,
Hufe und Federn) von mumifizierten Kadavern. Keratin ist ein Eiweißstoff, den einige Insekten
offenbar als einzige Tiere mit Hilfe symbiontischer Darmbakterien verdauen können. Motten und
Teppichkäfer sind darauf spezialisiert. Außerdem fressen die Motten Pollen und tote Insekten.
Bereits in den Höhlen der Vorzeitmenschen ernährten sie sich vermutlich von Fellen, Federn und
tierischen Überresten.
Zahlreiche Parasitoide, räuberische Fliegen, Milben, Spinnen, die in menschlichen Behausungen
vorkommen, leben unter anderem von Motten und deren Larven. Es gibt eine
flaschenkürbisförmige Milbe (
Pyemotis herfsi aus der Unterordnung der Trombiculiden
), die auf
Kleidermottenlarven als Nahrung spezialisiert ist (K
AESTNER
, S. 770). Auch Pharaoameisen
werden als erstes unter den Motten "aufräumen", sofern sie welche finden.
3. Verhältnis zum Menschen; Schaden
Nur die Raupen (= Larven) der Motten sind schädlich. Im Haus schaden sie durch Fraß an allem
was Säugetierhaare oder Federn enthält und durch Zernagen von anderen Materialien, die an sich
für Motten unverdaulich sind.
4. Stellung im Tierreich, Zahl der Arten insgesamt und der problematischen Arten