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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-7 / Mücken
Überwinterungsplätze
sind vor allem alte Keller mit Lehmboden (nicht aber die beheizten bzw.
trockenen Keller moderner Häuser), ferner Kanalisationen, Brunnenschächte, landwirtschaftliche
Gebäude, Garagen, Gartenhäuschen, Erdstollen usw., wo sie an Decken und Wänden sitzen. Im
Freien überwintern sie z.B. in Reisighaufen und Tierbauten.
Im Frühjahr (meist April oder Mai) verlassen die Weibchen die Winterquartiere, saugen Blut und
beginnen alsbald mit der Eiablage. Jedes Weibchen legt meist mehrere hundert Eier in einem Paket
(dem sog. "Schiffchen") auf die Wasseroberfläche.
Bei der Wahl ihrer
Brutplätze
sind die Hausmücken wenig wählerisch. Grundsätzlich kommt jede
stehende oder nur langsam fließende Wasseransammlung in Frage, die länger als zwei Wochen
besteht. Besonders bevorzugt werden Klein- und Kleinstgewässer wie Regentonnen, Jauche- und
Abwassergruben, Sickerschächte, Kanalisationen, Gullys, Gartenteiche mit faulendem
Pflanzenmaterial (ohne Fische und andere Freßfeinde); Regenwasseransammlungen in alten
Reifen, Konservendosen und Plastikbehältern, durchhängende oder verstopfte Dachrinnen und
Regenpfützen.
Bei
Wassertemperaturen über 10°C
schlüpfen aus den Eiern wenige Tage nach deren Ablage die
Larven, die mit einer Art Schnorchel atmen, mit dem sie an der Unterseite der Wasseroberfläche
"hängen". Mückenlarven fressen Schmutzteilchen und Bakterien, die sie aus dem Wasser filtern.
Es gibt vier Larvenstadien, die je nach Temperatur der Brutgewässer insgesamt 1-3 Wochen dauern.
Warme Temperatur beschleunigt, kühle verzögert die Entwicklung.
Das anschließende Puppenstadium dauert je nach Temperatur 2-4 Tage. Die Puppen atmen wie die
Larven mit einem Atemrohr, das sie an der Wasseroberfläche aufhängen. Larven und Puppen
tauchen, wenn sie gestört werden (Schatten, Erschütterungen der Wasserfläche), in zickzack-
förmigen Bewegungen unter.
Wenn die Fluginsekten in den Puppen "reif" sind, schlüpfen sie an der Wasseroberfläche, indem sie
die Puppenhüllen als Floß benutzen. Die Fluginsekten paaren sich nach wenigen Tagen. Nach
einigen weiteren Tagen - meist nach einer Blutmahlzeit - beginnen die Weibchen mit der Eiablage.
Da die gesamte Entwicklungsdauer (von der Eiablage bis zur Eiablage der nächsten Generation) im
Sommer nur 3-5 Wochen beträgt (widerum abhängig von der Temperatur), kann es in einem
normalen Sommer leicht zu 4-5, in einem warmen Sommer sogar zu 6-7 Generationen kommen.
Wegen der hohen Eizahl und der kurzen Generationsdauer kann
ein einziges überwinterndes
Weibchen
während eines Sommers viele
Millionen
, theoretisch sogar viele Milliarden
Nachkommen
haben.
6.2. Überschwemmungs-Wiesen-Mücken, Aedes vexans
Diese Mücken zeichnen sich durch Massenvorkommen während der Sommermonate, einen starken
Wandertrieb (Wanderungen bis zu mehrere Kilometer am Tag), sowie eine ausgeprägte Stechlust
aus. Im Oberrheingebiet sind sie mit Abstand die größten Plageerreger.
Die Weibchen legen ihre Eier ca 5 Tage nach der Blutmahlzeit (Dauer der Eireifung) einzeln auf
feuchten Boden ab. Die Eiablagegebiete befinden sich im Überschwemmungsgebiet größerer
Flüsse (z.B. den Rheinauen) - an Stellen, die nach einem Hochwasser bei zurückgehendem
Wasserstand langsam wieder trockenfallen. Es sind im allgemeinen feuchte Wiesen, Schilfgebiete,
feuchte Ränder von Tümpeln oder häufig überschwemmte Pappelkulturen. Ein Weibchen kann
über 100 Eier ablegen. Nach weiteren Blutmahlzeiten sind weitere Eiablagen möglich. Nicht
selten können mehr als 50.000
Aedes
-Eier/m² im feuchten Uferbereich der Hochwassertümpel
nachgewiesen werden.