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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-7 / Mücken
Der Flügelschlag der Männchen erzeugt einen artspezifischen Summton, der die Weibchen anlockt und zusätzlich die
männlichen Mücken zur Paarung stimuliert. Die durch den Tanzschwarm angelockten Weibchen werden von den
Männchen ergriffen und noch im Flug begattet.
Nach der Paarung wandern die Mückenweibchen auf der Suche nach einem geeigneten Wirt für die
Blutmahlzeit oft kilometerweit auch in vom Fluß entfernte Siedlungsgebiete oder Wälder. Sie
dringen jedoch
nicht oder nur selten in Gebäude
ein. Die Stechaktivität ist von der Witterung
(z.B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windbewegung) abhängig. In den Morgen- und
Abendstunden bei hoher Luftfeuchtigkeit oder an schwülen Gewittertagen ist sie besonders groß.
Stechaktivitätsmessungen im Auenwald des Oberrheins ergaben bis zu 800 Anflüge von Stechmückenweibchen an
einer Testperson innerhalb von 2 Minuten.
In den Herbstmonaten sterben die Fluginsekten der Überschwemmungsmücken nach und nach ab.
Nur die Eier überdauern denWinter. Von September bis zum nachfolgenden Frühjahr befinden sich
die Eier in der bereits erwähnten Ruhepause, d.h. die Larven sind schlüpfunfähig. Erst klimatische
Einflüsse, wie z.B. die ansteigende Temperatur im Frühjahr
nach der Winterkälte
, brechen die
Ruhephase, so daß die Larven im Frühjahr und Sommer des darauffolgenden Jahres erneut
schlüpffähig sind.
Bei ausbleibendem Hochwasser können die Eier mehrere Jahre (mindestens 3, vermutlich bis zu 10
Jahre) lebensfähig überdauern.
6.3. Waldmücken, Aedes cantans
Die Weibchen der Waldschnaken legen ihre Eier ebenfalls einzeln auf feuchten Boden ab. Ihre
Eiablagegebiete befinden sich meist in sumpfigen Waldgebieten dort, wo nach der Schneeschmelze
und nach Regenfällen im Frühjahr Waldtümpel und wasserführende Gräben auftreten.
Die Schlüpfbereitschaft der Waldmückenlarven ist im zeitigen Frühjahr am größten; dann nämlich,
wenn die temporären (= zeitweiligen) Gewässer der Wälder ihren höchsten Wasserstand erreicht
haben. Während des Sommers sinkt der Wasserstand in den Wäldern meist kontinuierlich ab,
weshalb die Waldmücken in der Regel diese Zeit schlüpfunfähig im Ei überdauern, um der Gefahr
des Austrocknens zu entgehen.
Somit bringen die meisten Waldmücken
nur eine Generation im Frühjahr eines jeden Jahres
hervor.
Die Ruhephase der Waldmücken-Eier wird nach absinkenden Temperaturen im Herbst und
winterlicher Kälte noch im Winter (Februar/März) des nachfolgenden Jahres gebrochen, sodaß die
Larven beim Ansteigen des Wasserspiegels während der Schneeschmelze
schon bei 2-5°C
aus den
Eiern schlüpfen können. Bei einigen Waldmücken ist auch ein Überwintern der jungen Larven
möglich.
Die
Entwicklung
der Brut bis zum Fluginsekt dauert meist von
Februar bis Ende April/Anfang
Mai
, d.h. etwa drei Monate. In dieser Zeit kann man die Larven zahlreich in den Brutgewässern
finden.
Bei der Suche nach einem geeigneten Wirt sind die Waldmückenweibchen nur begrenzt
wanderfreudig, weshalb sie nur in den Waldgebieten von Mai bis Juli lästig werden können. In der
Regel nimmt die Zahl der Fluginsekten in der zweiten Sommerhälfte stark ab.
Abgelegte Eier können beim Ausbleiben von Überschwemmungen ebenfals mehrere Jahre
überdauern, ohne ihre Schlüpffähigkeit zu verlieren.