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Mücken / Anhang B-7
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E. Scholl (1995)
Diese Möglichkeiten sind bei allen Mückenarten vorzuziehen. Nähere Hinweise dazu finden sich
bei B
ECKER
(1986).
- Eine weitere Möglichkeit ist, das Wasser zum Fließen zu bringen, da die heimischen
Stechmücken sich nur in stehendem Wasser entwickeln.
- Für Feuerlöschteiche, die nicht verändert werden können, können Styroporkugeln, die auf der
Wasseroberfläche schwimmen, die Mücken schwer an der Eiablage und am Atmen behindern.
Außerdem sollen dem Leser an dieser Stelle zwei unorthodoxe Möglichkeiten nahegelegt werden,
die sich - ökologisch gesehen - aufdrängen:
- Nassen Wiesen und Äckern, die regelmäßig und lange überschwemmt werden und ideale
Mückenbrutplätze sind, können in der Regel nur mit großem Aufwand minimale Erträge
abgerungen werden. In derartigen Situationen muß erwägt werden, die Flächen dem Fluß in
aller Form "zurückzugeben".
- Im Fluß-Auwald mit nassem Boden und dichtem Gestrüpp, der für Menschen unzugänglich ist,
haben einige Mückenarten ihren natürlichen Lebensraum, der ihnen auch eingeräumt werden
sollte. Nur wo Mücken in Massen vorkommen, können sie ihre ökologische Aufgabe: nämlich
Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tiere zu sein, erfüllen. Wer sich im Auwald zu schaffen
macht, kann sich selbst schützen (s.u.); Mücken, die von dort ihren Weg in die Städte und
Dörfer finden, sollten toleriert werden. Das Ziel kann nicht sein, alle Mücken der Welt
auszurotten.
Ein erreichbares Ziel bei der Mückenabwehr ist beispielsweise, die unnötige
Belastung der Menschen durch Mücken abzuwehren.
7.2.2. Pestizide gegen Larven und Puppen
Es gibt einige gute Gründe, auf Pestizide gegen Mücken - gleich welcher Stadien - zu verzichten:
- Solange der Lebensraum für die Mücken besteht und zugänglich bleibt, werden sie ihn sofort
wieder besiedeln, sobald die Giftwirkung nachläßt. Das ist so ähnlich, wie wenn eine
Wohnung frei wird, weil der Vormieter verstorben ist. Mit Pestiziden - gleich welcher Art und
Wirkungsweise - können immer nur Mücken "geerntet" werden. Das muß grundsätzlich
jedesmal beim Chemikalieneinsatz gegen Mücken bedacht werden. Die Wirkung ist immer nur
vorübergehend.
- Bei allen Giften muß damit gerechnet werden, daß sie innerhalb von 12-15
Schädlingsgenerationen zur Resistenz führen (-> Resistenz). Wenn das geschieht, wirken sie
nicht mehr. Bei Mücken gibt es wenig Möglichkeiten zur Wirkstoffrotation, die Resistenz
verhindern könnte.
- Die Mücken, die von Gift getötet werden, stehen ihren Freßfeinden nicht mehr als Nahrung zur
Verfügung. Falls welche da waren, werden sie - sofern gründlich gearbeitet wurde -
verhungern. Die Mücken sind beim nächsten Wasserschub wieder da; die Freißfeinde, die
meist langsamer wachsen, möglicherweise nicht mehr.
Der Pestizideinsatz gegen Mückenlarven muß Spezialisten vorbehalten bleiben,
da nur sie wissen, welche Mückenart wann wo mit welchem Gift erreicht werden
kann / darf.