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Ratten / Anhang B-8
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E. Scholl (1995)
aus welchen Gründen auch immer. Dabei kommt ihnen ihre äußerst flexible Individuendichte
zugute, die von Art, Zustand, Menge, und Ort der aufkommenden Abfälle und den
Versteckmöglichkeiten bestimmt wird.
Man nimmt an, daß es auf der Erde mehr Ratten als Menschen gibt.
Ratten graben Löcher unter Fundamenten, in Erdwälle und Beete. Sie nagen Löcher in
Verpackungen und alle möglichen Materialien, beschmutzen menschliche Nahrung mit Urin und
Kot, fressen Vorräte weg, verschleppen Krankheitskeime, sind Reservoirtiere und / oder Überträger
von Krankheiten und verursachen Kabelbrände und Rohrbrüche.
Fast allen Menschen sind Ratten äußerst unangenehm.
Ratten werden vor allem durch eßbare Nahrungsreste in ungesicherten Ablagerungen von Abfällen oder
Lebensmittelvorräten angelockt; außerdem durch Schutt, Schrott, Sperrmüll und sonstigen Unrat mit Hohlräumen in
Häusernähe und Stapel von Baumaterialien oder Brennholz an Hausmauern mit Bodenkontakt. In die Häuser gelangen
die Ratten durch alle Öffnungen, deren Durchmesser größer als 1,3 cm ist, wie zum Beispiel an den Unterseiten von
Haustüren, durch undichte Stellen in der Kanalisation oder schadhafte Siele. 3mm-Löcher können aufgenagt werden,
wenn sie in benagbarem Material sind. Gewöhnlich bleiben sie auf Erdniveau oder darunter, aber wenn sie Zugang zu
Hohlräumen in Wänden kriegen, können sie in höhere Etagen klettern.
Für Physiologie, Verhalten, Psychologie, Toxikologie u.a. sind Ratten vielgebrauchte Labortiere.
In Notzeiten werden die Felle genutzt, außerdem das Fleisch als Tierfutter und Nahrung.
4. Gesundheitsgefahren
Die größte Angst der Menschen ist wohl, von einer Ratte gebissen zu werden. Es kann allerdings
geschehen, daß sie hilflose Menschen (Säuglinge, Alte und Kranke) annagen, wenn sie
drankommen. Ansonsten geschieht das aber nur höchst selten, da Ratten vor Menschen Angst
haben und bei der geringsten Störung flüchten, wenn sie nicht gerade als Haustiere gezähmt wurden
und an Menschen gewöhnt sind. Ratten beißen nur, wenn sie gejagt und in die Enge getrieben
werden.
Bei ihren Streifzügen kommen Ratten mit allen möglichen Mikroorganismen in Kontakt, die sie
dann mitschleppen; je älter sie werden, desto mehr. Bestimmte Krankheiten übertragen sie auch
(z.B. Salmonellen, Murines Fleckfieber, Weil-Leptospiren, Gelbsucht u.a.. Eine sehr gute
Übersicht über Schäden/Krankheiten in Verbindung mit Ratten gibt H
OFFMANN
in I
GLISCH
1981, S.
169 ff).
Weil-Leptospirose
ist häufiger im Norden, fehlt im Süden. Die Leptospiren werden mit dem Urin
ausgeschieden und vom Menschen mit der Nahrung aufgenommen. Sie sind nur durch Kochen zu
zerstören. Der Infektionsgrad nimmt mit steigendem Alter der Ratten zu. Ständig feuchte Bereiche
im Lebensraum der Ratten sind Voraussetzung für die Infektion. In Badeseen kann das
problematisch werden, wo Menschen mit dem Badewasser den Urin von infizierten Ratten
aufnehmen. Tiere, die in trockenen oder nur zeitweilig feuchten Lebensräumen leben, sind in der
Regel frei von Leptospiren.
Ratten waren auch immer wieder an der Ausbreitung von Pestepidemien beteiligt.