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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-8 / Ratten
Eine tatsächliche Gefahr der Gegenwart in Mitteleuropa ist die der Vergiftung von Menschen und
Haustieren durch Fehler beim Ködereinsatz. Dazu gehört auch die Sekundärvergiftung, bei der
Haus- oder Wildtiere sich vergiften, indem sie vergiftete Ratten fressen.
Ratten haben auch schon Brände und Explosionen verursacht, indem sie Gasleitungen angenagt
haben. In mindestens einem Fall haben sie einen Brand verursacht, indem sie Streichhölzer in ihr
Nest verschleppt und dort daran genagt haben. Das Nest ist immer trocken und leicht brennbar.
5. Ausbreitungsstrategie
Die Ausbreitung der Ratten geschah wohl meist passiv, indem die Tiere mit Transporten von
mangelhaft gesicherten Nahrungs- und Futtermitteln verschleppt wurden.
Im menschlichen Siedlungsbereich besiedeln die Ratten alle erreichbaren Lebensräume vom
heimischen Nest aus, indem bei Überbevölkerung die jüngeren Tiere aus den Randbezirken in
kleinen oder größeren Gruppen auswandern, um sich anderswo einen neuen Bau anzulegen.
Zum Erfolgsgeheimnis der Ratten gehört der Mangel an Spezialisierung bzw. die ungeheure
Anpassungsfähigkeit, die besonders die Jungtiere haben. Ratten sind Allesfresser. Sie fressen fast
jedes organische Material. Gleichzeitig sind sie ungeheuer wählerisch, sobald Auswahl besteht.
Die Vorliebe für Dunkelheit, ihre nächtliche Lebensweise und ihr großes Mißtrauen gegenüber
allen Störungen kommt den Ratten besonders in der Gesellschaft der Menschen zugute. Dazu
kommt die Fähigkeit, blitzschnell eine große Anzahl von Nachkommen zu erzeugen, sobald die
Grundbedingungen: ausreichend Nahrung, Wasser und Versteckmöglichkeiten sich ergeben.
6. Stellung im Tierreich, Entwicklungstyp, Mundwerkzeuge, Sinnesorgane
Ratten gehören wie die Menschen zu den Säugetieren, die in Europa mit 181 Arten vertreten sind,
und hier zu den Nagetieren (63 Arten in Europa). Wanderratten kommen inzwischen in den
temperierten Regionen der ganzen Erde vor.
Sie haben ein Gebiss mit Zähnen, davon 4 Nagezähne, die ständig abgeschliffen werden müssen,
weil sie zeitlebens wachsen.
Sinnesleben
Der Geruchssinn der Ratten ist besonders gut ausgebildet. Sie haben Geruchstoffe im Urin und in
den Sohlendrüsen (Art Schweißfüße), an denen sie nicht nur ihre Familie erkennen, sondern sogar
einzelne Individuen. Die Individualerkennung läßt allerdings in großen Gruppen nach. Duftstoffe
(=Pheromone) helfen auch, die Paarung zu steuern und Aggressionen zu blockieren).
Vorsicht bei Verallgemeinerungen, da junge Ratten unterschiedlicher Zuchtreihen auf verschiedene Gerüche im
Experiment durchaus unterschiedlich reagierten (M
EEHAN
1984, S. 59).
Ratten hören sehr gut und verständigen sich mit einer Vielfalt von Signalen im Ultraschallbereich,
z.B.: Alarm-, Angst-, Abwehr-, Demutsschreie-, Sexuallockrufe; die Männchen haben einen
bestimmten Schrei, den sie nur nach einer Paarung von sich geben (S
ALES
1988).