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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-8 / Ratten
Aus Früchten, Gemüse u.a. werden große Stücke herausgefressen. An Körnern fressen sie meist
den Keimling raus. Den Rest des Korns lassen sie fallen. Das ist sehr typisch für Rattenfraß.
Weitere Anzeichen für Rattenbefall sind Spuren von Füßen und Schwänzen auf staubigen,
schlammigen oder verschneiten Untergründen; Kotbröckchen: frisch (= weich) oder schon älter (=
hart); Öffnungen in Häusern an Rohrdurchlässen, an Türen und Fenstern werden zu runden
Löchern aufgenagt, deren Durchmesser 5cm oder größer ist; Nagespuren an Kanten von Holz,
Plastik, Gummidichtungen, Rigips, Isoliermaterialien und allen möglichen sonstigen Materialien
incl. rostigem Eisen oder Blei. Schleifspuren entlang der eingetretenen, geschützten Wege,
möglichst an Wänden entlang oder unter Gegenständen.
Die Laufwege haben bräunlich-fettige Markierungen überall da, wo die Ratten sich mit ihren
Körpern regelmäßig entlangtasten. Urinspuren von Ratten phosphoreszieren im UV-Licht.
Ratten erscheinen oft, wo Mäuse bereits längere Zeit gewesen sind. Auf die Dauer setzen sich die
Ratten durch.
Den Befall ermittelt man mit giftfreiem Lockstoff (s.u.: S. 15). Weitere Hinweise erhält man,
indem man dort, wo Befall vermutet wird, Talkum / Mehl ausstäubt und vorhandene Löcher locker
verschließt. Fuß- und Schwanzspuren helfen, die Eintrittsstellen und Nester aufzuspüren. Benutzte
Löcher werden nach kurzer Zeit wieder geöffnet.
Die Größe von Hohlräumen kann man mit Rauch ermitteln. Der Verlauf von Abwasserleitungen ist
gegebenenfalls bei der zuständigen Behörde zu erfragen.
Die Befallsermittlung wurde von I
GLISCH
(1990) sehr ausführlich beschrieben.
Rattenprobleme entspringen außerhalb des Hauses, können sich aber jederzeit nach innen verlagern.
Ratten ködern und fangen ist wegen der arterhaltenden Besonderheiten der Ratten eine Kunst. Die
ist zwar lernbar, aber der Lernprozess nimmt einige Zeit in Anspruch. Wer Ratten loswerden will,
sollte besser gleich einen Profi engagieren.
Damit ist die Sache allerdings nicht automatisch erledigt: Wer Ratten dauerhaft aus seinem
Lebensbereich loswerden will, muß auf jeden Fall selbst mitarbeiten, um ihnen das Leben dort
unmöglich zu machen. Das sollte sofort beginnen: Da Ratten aus unseren Fehlern sehr schnell
lernen; da sie außerdem jeden frei werdenden Lebensraum sofort wieder besiedeln, und da es sehr
schwer werden kann, ihnen etwas einmal Gewohntes wieder abzugewöhnen, wird es im anderen
Fall täglich schwieriger, ihrer Herr zu werden.
8.2. Rattenabwehr
Wo der Lebensraum, die ökologische Nische, erhalten bleibt, werden sich immer
wieder Ratten einfinden.
Das heißt im Klartext: auch im Rattenrevier sind Wohnungen Mangelware. Wo immer ein Platz frei wird,
beispielsweise durch Töten der Ratten, wird er sofort neu belegt, sofern er bewohnbar bleibt.
Deshalb muß grundsätzlich der Lebensraum bearbeitet werden, um
Rattenprobleme dauerhaft zu lösen. Man kann Lebensräume vor Ratten