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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-8 / Ratten
dem heimischen Komposthaufen, über die Toilette in der Kanalisation oder über den Mülleimer bei
der öffentlichen Müllabfuhr / Abfallentsorgung. Zum Abfallmanagement gehört weiterhin:
- beim Einkauf genau Maß nehmen und nur so viel kaufen, wie auch gegessen wird.
- beim Vorbereiten der Mahlzeiten alle Lebensmittel möglichst vollständig nutzen.
- Mahlzeiten restlos aufessen, Reste ggf. einfrieren / später aufwärmen.
- Nicht zuviel essen. Überschüssige Nahrung wird teilweise unverdaut mit dem Kot wieder
ausgeschieden. Auch das wertet den rättischen Speiseplan auf, da die Ratten sich in der städtischen
Kanalisation ja - zumindest teilweise - von menschlichem Kot ernähren (s.o.).
Trotz aller Umsicht wird es immer etwas Abfall geben. Der muß so behandelt werden, daß die
Ratten möglichst keine Gelegenheit haben, daran zu gelangen. Der Abfalleimer muß, wenn er
innerhalb der Reichweite der Tiere steht, rattensicher sein, d.h. aus dickem Material. Er muß groß
genug sein, darf keine Löcher haben und der Deckel muß dicht abschließen. Wo die Möglichkeit
besteht, daß streunende Hunde u.a. den Eimer umwerfen, um an den Inhalt heranzureichen, muß der
Deckel gut befestigt werden. Bei Rattenbefall in der Umgebung kann es sinnvoll werden, als
zusätzliche Sicherung den Abfalleimer auf einen 30 cm hohen Podest zu stellen, unter dem ein
freier Platz bleibt. Wer den Eimer benutzt, muß ihn danach sofort wieder schließen. Keinesfalls
dürfen Abfälle in Tüten o.ä. danebengestellt werden, wenn er überquillt. Kindern darf erst dann
erlaubt werden, den Mülleimer zu leeren, wenn sie groß genug dafür sind.
Der Platz um den Abfalleimer herum muß möglichst frei bleiben, also ohne bodendeckende
Pflanzen, Sperrgüter u.a., um den Ratten die Annäherung möglichst unangenehm zu machen. Der
Platz muß auch sauber gehalten werden, um die Ratten nicht unnötig anzulocken. Besonders bei
Mehrfamilienhäusern mit kleinen Kindern kann es notwendig werden, täglich vor Einbruch der
Dunkelheit alle Reste einzusammeln.
Recyclingmaterialien säubern; organische Abfälle dürfen nicht in Recyclingbehälter gelangen.
Kompost: Fleisch und gewürzte Essensreste, die Ratten besonders gern mögen, nur im
rattensicheren Silo kompostieren (O
LKOWSKI
& al., 1979; s.a. "Test" 6/94). -> Abfall, Anhang A1
Aufräumen:
Aus dem unmittelbaren Eingangsbereich des Hauses und der in der Nähe liegenden
Gullys, sowie rund um das Haus insgesamt sollten Sperrgüter, Materialhaufen und Schutt, kurz:
alles, was dort nicht unbedingt sein muß - entfernt werden.
Unzugängliche Hohlräume, in denen Ratten sich ansiedeln können, sind in der Nähe der Häuser zu
vermeiden. Dazu muß man sich erst mal klar machen, daß wir Menschen meist auf einem
Labyrinth von unterirdischen Hohlräumen leben, die unsere Vorfahren dort angelegt haben (alte
Rohre, Gräben, Häuserreste u.a.). Diese können, wenn sie aufgespürt sind, entweder geöffnet
werden, oder mit Grobkies, der für Ratten zum Graben ungeeignet ist, aufgefüllt werden.
Brenn-, Bauholz-, Steinvorräte und Paletten sollten in einigem Abstand vom Haus aufbewahrt
werden und so hoch über dem Boden aufbewahrt werden, daß die gesamte Fläche darunter gut
überschaubar bleibt. Der Abstand von der Hausmauer sollte mindestens 50 cm betragen, besser
aber einige Meter.
Anstelle von zementierten Flächen und Platten, unter denen Ratten gut graben und leben können,
empfiehlt sich in von Ratten bewohnten Gegenden eine Grobkiesschüttung ums Haus.
Pflanzenbewuchs sollte nicht bis direkt ans Haus heranreichen und vielfältig und
abwechslungsreich sein, denn eine einheitlich dichte Decke aus gleichartigen Pflanzen (z.B.
Cotoneaster), wie sie heute vielfach üblich ist, bietet den Ratten optimalen Schutz.
Evtl. ist es auch möglich, den Ratten die Wasserzufuhr abzuschneiden (Ratten können einige Zeit
ohne Nahrung auskommen, brauchen aber ständig Wasser, allerdings nicht viel, und sie nehmen
auch mit Schmutz- oder Kondenswasser, oder mit Urin vorlieb.)
In der Kanalisation kann die Rattenpopulation nicht getilgt, sondern nur begrenzt werden, um die
Abwanderung in anliegende Gebäude zu verhindern. Dazu müssen Schäden im Kanalsystem
behoben werden.