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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-8 / Ratten
Mehrfach wurde beobachtet, daß nach der Beseitigung einer Population von verwilderten
Hauskatzen zuerst die Mäuse und danach die Ratten rapide zunahmen, bevor die Katzen den
Lebensraum wiederbesiedelten. Eine einzelne Hauskatze wird ein etabliertes Rattenrudel nicht
tilgen, wohl aber empfindlich stören, wenn gleichzeitig aufgeräumt und saubergemacht wird. Wo
Katzen sind, werden Ratten nur bei großem Bevölkerungsdruck sichtbar. Außer Hunden und
Katzen kommen als rattenabwehrende Haustiere - je nach Lage - auch Frettchen, Mungos und
Schlangen in Frage.
Natürliche Feinde ansiedeln
: Eulen, Schlangen, Marder, Frettchen, Füchse und Schlangen fressen
gerne Ratten. Eine vielseitige Entwicklung der Landschaft ermöglicht diesen Tieren Nistplätze und
Lebensräume und kann erheblich zur Rattendezimierung beitragen.
Solange Ratten von außen in die Häuser eindringen, ohne dort ihre Nester einzurichten, sollten die
bis hier genannten Maßnahmen zur Abwehr ausreichen.
Jede Manipulation der Umwelt, die die Zuwanderung der Ratten verringert,
kann die Populationsdynamik in Unordnung bringen und so - vielleicht in
Kombination mit Veränderung der Geburten- und Todesrate - den Schaden
wirksam abwehren.
8.3. Weitere Methoden
Krankheiten und Parasiten:
Capillaria hepatica, Myxomatose, Salmonellen wurden im frühen 20. Jahrhundert zur
Nagerbekämpfung probiert, sind nicht rattenspezifisch und führten zu Durchfallerkrankungen bei den Menschen. Es
gibt aber hochspezifische Rattenkrankheiten, die als mögliche Alternative zu Antikoagulantien (, die ja alle nur einen
Wirkungsmechanismuns haben, s.u.) durchaus in Frage kommen.
Ablenkungsfütterung
ist in Einzelfällen evtl. praktikabel (B
UCKLE
&
S
MITH
1994, S. 113); Beispiel Waldmausfraß an
Zuckerrübensaat bis zur Keimung. Voraussetzungen: selten auftretender, vorhersehbarer Schaden, konventionelle
Bekämpfung entweder unökonomisch oder nicht praktikabel, hohe, zu schützende Werte. Im Falle der Zuckerrüben in
Deutschland besteht der Wert nicht etwa in den Kosten für das Saatgut, sondern in den Lohnkosten für die Arbeit der
Nachsaat.
Fallen
(s.a. Methoden.doc): Bei Ratten sind Fallen nur sinnvoll, um einzelne Tiere zu fangen. Dabei sind
Fremdgerüche unbedingt zu vermeiden. Dies muß schon bei der geruchsneutralen Lagerung der Fallen beachtet
werden; auch beim Zwischenhändler. Eine Rattenfalle sollte man mit Handschuhen anfassen, um den Menschengeruch
daran gering zu halten. Für Ratten muß die Falle ca eine Woche ungespannt aufgestellt werden. Erst wenn der Köder
wirklich gut angenommen wird, darf sie gespannt werden, um sicher zu wirken. Eine Falle, mit der eine Ratte getötet
worden ist, wird für lange Zeit unbrauchbar: Ratten können die davon ausgehende Gefahr riechen. Evtl. kann man sie
neutralisieren, indem man sie mit Erde einreibt.
Repellents
sollen Ratten von irgendetwas fernhalten. In der Wirklichkeit hat das nur dann Zweck, wenn die Tiere die
Möglichkeit haben, eine angenehmere Umgebung auszuwählen. Sobald Nahrung oder Versteckmöglichkeiten knapp
werden, wenn der Bevölkerungsdruck wächst oder der Mensch aufräumt, können solche Methoden, die nicht absolut
ausschließen, überwunden werden, weil die Alternativen - aus der Sicht der Tiere - noch weniger akzeptabel sind.
Rattenfang mit Frettchen
wird in Holland seit einigen Jahren in behördlichem Auftrag praktiziert. Diese Methode
hat, was die Wirkungsweise angeht, viel Ähnlichkeit mit der Giftbekämpfung, da sie den Befall nur vorübergehend
entfernt. Sie kann daher nur im Zusammenhang mit dauerhaft wirksamen Schutzmaßnahmen empfohlen werden und
eignet sich vor allem für Rattenrudel, die sich bereits dauerhaft in Häusern eingenistet haben.
8.4. Rattenbekämpfung mit Gift