Seite 400
Ratten / Anhang B-8
14
E. Scholl (1995)
Rattenbekämpfung mit Chemikalien darf nur dort erlaubt werden, wo
gleichzeitig der behandelte Lebensraum dauerhaft vor den Ratten geschützt
wird.
Das ist fast immer nur in Häusern der Fall. Die Möglichkeit zum dauerhaften Schutz reicht allein
nicht aus; sie muß auch umgesetzt werden. Im Freiland ist der Einsatz von Giftködern gegen
Ratten wegen der reichlich vorhandenen Alternativnahrung fast immer nur geeignet, Ratten zu
"ernten", und ist daher durchaus vergleichbar mit dem völlig unsinnigen Einsprühen von Fußleisten
gegen Insekten. Wo eine Begiftung von Ratten im Freiland dennoch für unvermeidbar angesehen
wird, empfiehlt G
REENE
(1989), Kontaktstaub tief in die Rattenlöcher hinein zu stäuben, da wegen
der Alternativnahrung nicht erwartet werden kann, daß sie Giftköder in ausreichender Menge
aufnehmen, um daran zu sterben.
Wo Ratten vergiftet werden, muß mit einer Geruchsbelästigung gerechnet werden, wenn die
Kadaver in unzugänglichen Hohlräumen verwesen. Außerdem können Ratten-Vergiftungsaktionen
weitere Schädlingsprobleme nach sich ziehen, da aasbewohnende Tiere davon angelockt werden. -
> Anhang B, Motten
Parasiten der Ratten, besonders Flöhe, sollten vor Abtötung der Ratten selbst abgetötet werden (s.
Flöhe); besonders, wenn der Befall schon im Haus etabliert ist.
Wenn Ratten bereits im Haus etabliert sind, sollten sie nach Möglichkeit vor jeder anderen Aktivität
beseitigt werden. Dazu müssen sie aber an einen Lockstoff an bestimmten Futterplätzen gewöhnt
werden können. Das kann eine gute Woche dauern (Vorködern, s. I
GLISCH
1990).
Wo Solches nicht möglich ist, muß vor dem Gifteinsatz gründlich aufgeräumt und sauber gemacht
werden. Dabei muß sämtliche Alternativnahrung entfernt werden. Danach muß wieder während
mindestens einer Woche vorgeködert werden. Es ist damit zu rechnen, daß die Ratten sich eine Zeit
lang in ihren Nestern von Vorräten ernähren. Außerdem kann es sein, daß Tiere bei fortgesetzten
Störungen, sowie Mangel an Nahrung und Unterschlupf von sich aus abwandern.
Es kann auch passieren, daß Wanderratten sich bei Nahrungsmangel gegenseitig fressen, wie berichtet wird.
Pestizide
Bis auf Ausnahmen werden Ratten mit Giftködern getötet. In bestimmten Situationen kann auch
mit Gas gearbeitet werden. Bei der Verwendung von Ködern müssen die besonderen
Verhaltensweisen der Ratten beachtet werden (z.B. hochempfindlicher Geruchssinn, "Vorkoster",
Reviergröße, Nahrungsbedarf, Neophobie, angeborene und erworbene Vorlieben, Köderscheu nach
Erkrankung, s.o.). Der Köder wird nur angenommen, wenn er lange genug an der richtigen Stelle
liegt, die richtige Geschmacksrichtung der jeweiligen Ratte trifft und keine Nebengerüche hat.
Außerdem muß er in ausreichender Menge angeboten werden, sollte natürlich frisch sein u.s.w..
Sobald irgendetwas an dem Gesamtkonzept nicht stimmt, spielt es keine Rolle mehr, wie wirksam
der Wirkstoff war. Deshalb ist es gar nicht so einfach, Ratten zu vergiften.
I
GLISCH
(1990) empfiehlt eine Vorköderzeit von 10-14 Tagen. Eine Woche sollte auf keinen Fall
unterschritten werden. Gegen Ende dieser Zeit kann durch Auswiegen der täglich verzehrten
Menge die benötigte Gesamtmenge bestimmt werden (als Faustregel gilt 20 g pro Tier und Tag).
Erst nach Ende der Vorköder-Zeit darf Gift angeboten werden, und dann in ausreichender Menge