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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-8 / Ratten
für alle Ratten.. Wird zwischendurch aufgeräumt oder sonst irgendetwas verändert, dann muß die
Vorköderzeit danach wieder neu beginnen.
Sorgfältiges Vorködern verringert den Bedarf an Rattengift und die
Kontaminationsrisiken auf das absolut notwendige Minimum.
An Wirkstoffen für Rattengifte gibt es zur Zeit nicht besonders viel Auswahl.
Die meisten verwendeten Gifte sind Antikoagulantien (= Blutgerinnungshemmer), deren Wirkung
mit Verzögerung eintritt, und die angeblich keine Schmerzen verursachen. Das verringert die
Wahrscheinlichkeit der Köderscheu (s.u.). Die Wirkung kann mit dem geeigneten Gegengift leicht
rückgängig gemacht werden, und die Wirkstoffe sind relativ unproblematisch abbaubar. Deshalb
gelten die Antikoagulantiena als relativ harmlos für Menschen und Haustiere.
Allerdings wirken sämtliche Antikoagulantien nach demselben Mechanismus auf den Organismus
ein. Daher ist bei der Verwendung ständig mit Resistenz zu rechnen, und sie tritt auch immer
schneller in Erscheinung; offenbar verstärkt auch als Gruppenresistenz, obwohl immer noch neue
Antikoagulantien auf den Markt drängen.
Da es aber aus den oben genannten Gründen ziemlich kompliziert werden kann, Ratten zu vergiften, wird wohl häufig
Resistenz vermutet, wo in Wirklichkeit nur Köderscheu eingetreten ist, oder wo der Lebensraum neu besiedelt wird.
Die neueren Wirkstoffe sind z.T. ultragiftig und - sofern sie halogeniert sind - auch schwer
abbaubar.
Als Alternativen kämen einige Wirkstoffe mit anderen Wirkungsmechanismen in Frage, die zur
Zeit aus verschiedenen Gründen nur schwer oder nicht (mehr) erhältlich sind, z.B.:
- Sterilisierende Chemikalien, z.B.
Alpha-Chlorohydrin
(Präparat:
Epibloc
), sterilisiert die
Männchen; wurde nicht weiter untersucht; sicher auch, weil den Kunden jede Ratte stört, auch
wenn sie noch so steril ist.. Bei wachsendem Umweltbewußtsein, können derartige Wirkstoffe
durchaus wieder interessant werden. Außer alpha-Chlorohydrin kommen viele andere Mittel in
Frage, die als "Pille-für-den-Mann" für Menschen ausgeforscht wurden, aber aus
irgendwelchen Gründen nicht weiter entwickelt wurden (B
UCKLE
&
S
MITH
1994).
-
Norbromid
bewirkt schockartiges Absinken des Blutdrucks, speziell bei Ratten in minimalen
Konzentrationen.
-
Scillirosid
oder red squill, ein herzwirksames Glycosid aus der Meerzwiebel kommt kaum
noch in Frage, da die Meerzwiebel vom Aussterben bedroht ist. Dieses Gift wirkt spezifisch
gegen Nagetiere, da andere Tiere es gleich wieder erbrechen. Nagetiere können sich nicht
erbrechen.
Außerdem gibt es etliche weitere sogenannte Akutgifte, die durchweg völlig unspezifisch hochgiftig sind, z.B.
Zinkphosphid
und
Thalliumsulfat
.
Thalliumsulfat ist überhaupt nicht abbaubar, reichert sich im Organismus an
und ist hochgiftig für alle Lebewesen. Vom Gebrauch, der in den USA längst
verboten ist, muß dringend abgeraten werden.
Mit
Kohlenmonoxid
aus Motorabgasen kann man Ratten auch vergasen. Dazu eignen sich aber
nur Motoren ohne Katalysatoren.
Der beschränkten Auswahl an Wirkungsmechanismen steht eine erstaunlich große Variationsbreite
an
Formulierungen
gegenüber: