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Ratten / Anhang B-8
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E. Scholl (1995)
müssen Alttiere regelrecht vorher angefüttert werden. Das kann nur funktionieren, wenn keine
Alternativnahrung zur Verfügung steht.
Wenn vereinzelte, köderscheue Alt-Tiere hartnäckig um alle Gifte einen Bogen machen, ist allen Hygienefanatikern
zum Trotz in solchen Fällen auch zu bedenken, daß Ratten meist nur ein Jahr alt werden und daß diese Individuen
schon älter sind. Der Aufwand, der betrieben wird, um diese letzte Ratte zu töten, steht manchmal in keinem Verhältnis
zum absehbaren Erfolg. Das Vergiftungsrisiko durch Akutgifte und Kontaktstäube muß gegenüber dem zeitlich
begrenzten Vorhandensein einer alten Ratte abgewägt werden. Meist handelt es sich dabei um Situationen, in denen
ein starker Befall mit zahlreichen Individuen kurze Zeit vorher noch toleriert worden war.
Zum korrekten Einsatz von Rattenködern werden von sämtlichen Fertigpräparaten giftfreie Köder
in sonst gleicher Zusammensetzung und Konsistenz erforderlich. Wünschenswert wären weiterhin
Fertigpräparate in mehreren - von Ratten bevorzugten - Geschmacksrichtungen.
Köderkisten
: Die Behälter, in denen Köder ausgebracht wird, müssen stabil sein; außerdem
verschütt-, umfallsicher und abschließbar. Der Giftbehälter darf nicht für Kinder und Haustiere
erreichbar sein.
Jede Köderkiste muß mit genauer Bezeichnis des Giftes, Datum der letzten Inspektion,
Telefonnummer des verantwortlichen Schädlingsbekämpfers und Notfallhinweisen versehen sein.
Als
Zusätzliche Sicherungen
kommen in Frage:
- Nagergifte immer mit Bitterstoff versetzen. Es gibt einen extrem bitteren Geschmacksstoff,
den Nagetiere nicht wahrnehmen können;
- alle Akutgifte immer mit einem Brechmittel (= Emeticum) versetzen. Da Ratten und Mäuse
nicht erbrechen können, kann die Zugabe eines Emeticums die Vergiftung von Nicht-
Zielorganismen verhindern oder abschwächen.
Nach Beendigung jeder Begiftung müssen alle Köderreste restlos wieder eingesammelt und entsorgt
werden. Die Entsorgungsmethode ist bislang unbefriedigend gelöst. Sie muß daher regelmäßig bei
der zuständigen Behörde hinterfragt werden.
Der Tilgungsnachweis geschieht auf gleiche Weise wie das Vorködern / die Befallsermittlung.
Alles wiederholt sich solange, bis alle Ratten weg sind.
Die Gebäudesicherung und ein anschließender Service-Vertrag gehören unbedingt als fester
Bestandteil zur Begiftung dazu und dürfen nicht davon abgetrennt werden.
Da eine umwelt- und resourcenschonende Rattenbekämpfung sehr viel Zeit und Arbeit erfordert,
sollte jeder Schädlingsbekämpfer
nur Aufträge in der Nähe annehmen.
Da außerdem eine gute
Ortskenntnis die Sache maßgeblich erleichtert, sind Daueraufträge anzustreben.
9. Zusammenfassung: minimalriskantes Rattenmanagement
Abfallproduktion minimieren; Abfälle sorgfältig unter Kontrolle halten;
Gelände gründlich aufräumen und reinigen, Unrat beseitigen (evtl. Container bestellen,
Nachbarschaftshilfe, Kurzzeithilfe vom Arbeitsamt, Arbeitslosenselbsthilfe-Verein, Firma
beauftragen);
Lebensräume für Ratten unbrauchbar machen, Zugänge versperren;