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unterschiedlich aktiv, Halbwüchsige und Männchen allgemein mehr als trächtige Weibchen und
frischgeschlüpfte Larven. (Aktivitätsspektren der Schabenarten und ihrer Entwicklungsstadien, s.
F
UCHS
1991)
Aktivstes Stadium sind die alten Nymphen, gefolgt von den ausgewachsenen Männchen, die etwas
unternehmungslustiger sind als die Weibchen ohne Eipaket.
Weibchen mit Kokons und junge Larven sind weniger aktiv. Sie bleiben in der Nähe des Verstecks.
Bei Nahrungsüberfluß wird Kot von halbverdauter Nahrung als Nahrungsspeicher, im
Schlupfwinkel oder in dessen unmittelbarer Nähe abgelegt. In chronisch befallenen Objekten
können die gesamten unzugänglichen Rückseiten von Küchenfliesen, Kabelschächte und andere
Hohlräume mit einer millimeterdicken Kruste aus getrocknetem Schabenkot überzogen sein. Da
bedienen sich die Nachkommen, wenn überraschend Nahrungsmangel eintritt.
Am liebsten besiedeln die Schaben Orte, die schon mal von Schaben besiedelt waren. Das
erkennen sie am Geruch, der in den Schlupfwinkeln lange erhalten bleibt.
Schaben verständigen sich untereinander mit Hilfe von Pheromonen (= hormonähnliche Stoffe mit
Fernwirkung; Duftstoffe). Schaben sind gesellige Tiere; ein Pheromon hält die Gruppe zusammen
aber nicht zu sehr. Wenn die Gruppe zu groß wird, beginnt der Duft offensichtlich zu stinken:
dann flüchten sie vor dem selben Duftlockstoff, der sie in schwacher Konzentration bei der Gruppe
hält. Dieser Duftstoff ist etwa eine Schabengeneration lang haltbar. Als optimale
Bevölkerungsdichte wird eine Dichte von 1,2 Tieren pro cm² angesehen. In älteren Gruppen sind
die Weibchen in der Überzahl. R
UST
(1995) nimmt an, daß sie länger leben.
Die Größe der Gruppe hat auch Einfluß auf die Entwicklungsdauer der Jungtiere. Eine
Gruppengröße von 10-50 Tieren beschleunigt die Entwicklung. Bei Einzelhaltung und in Gruppen
von 500-1000 Tieren in der Zucht verlangsamt sich die Entwicklung. (R
UST
et al 1995)
Die meisten Schaben können: Sexual-, Aggregations-, Dispersions- Alarm-Pheromon, sowie
Fraßlockstoff, erst bei direktem Antennenkontakt wahrnehmen oder bis maximal 10 cm
Entfernung
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. Die Wirkung der Pheromone kann mehrere Monate anhalten.
Beim Leben in isolierten Schlupfwinkeln entwickeln die Schaben Familien-ähnliche, sogenannte
halbsoziale Strukturen: einzelne Männchen dominieren und befruchten sämtliche Weibchen in
ihrer Reichweite, vertreiben heranwachsende Mitbewerber. Die Weibchen werden für jedes zu
produzierende Eipaket nur einmal paarungsbereit.
Bei den Weibchen der Orientalischen und Amerikanischen Schabe wurde nachgewiesen, daß sie
auch ohne Paarung Nachkommen produzieren können.
Plastisches Verhalten: Ein besonderer Schaben-Trick ist das sogenannte `Plastische´ Verhalten.
Alle beschriebenen Verhaltensweisen werden nur bei etwa 70% der Schaben beobachtet. Egal, ob
es um Nahrung, Wasser, Lieblingsaufenthalt, Temperatur, Wachzeiten u.a. geht. Etwa 1/3 der Tiere
verhält sich anders. Wenn man das abweichende Drittel der Schabenbevölkerung zusammennimmt
und als neue Gesamtheit beobachtet, wiederholt sich dasselbe Spiel. Etwa 70% verhalten sich
erwartungsgemäß und etwa ein Drittel anders. Die Variation ist bei den Schaben also eher die
Regel als die Ausnahme. Sie hilft der Art auf besondere Weise, zu überleben (M
ETZGER
, 1989,
mündl. Mitt.).
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Ausnahme: der Sexuallockstoff der Amerikanischen Schabe hat Fernwirkung.