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E. Scholl (1995) Richtlinien - Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B-11 / Zecken - 1
Anhang B11 / Zecken
Die Angaben in diesem Abschnitt basieren, wenn nicht anders angeben, auf den Arbeiten von
B
ABOS
&
E
ICHLER
(1960),
B
ABOS
(1964), E
ICHLER
(1939, 1943) und auf eigenen Beobachtungen.
1. Erkennungsmerkmale
Holzbock
, Hundszecke, Ixodes ricinus: Zecken laufen nach Freilandaufenthalten auf dem Körper
hemrum. Später findet man sie in die Haut eingegraben bei Mensch, Hund und Katze,
vorzugsweise in dünnhäutigen Falten. Sie sind wenige Millimeter bis zu ca 1,4 cm groß (in
vollgesogenem Zustand). Manchmal bemerkt man sie erst nach geraumer Zeit, wenn es anfängt zu
jucken. Die Blutmahlzeit dauert einige Tage. Unter Umständen entwickelt sich an der
Einbohrstelle eine ringförmig sich vergrößernde Hautrötung bis zu einige Wochen nach dem
Zeckenbiß. Fast alle Zecken, die Menschen, Hunde und Katzen als Blutwirt nutzen, sind Ixodes
ricinus.
Einige weitere Zeckenarten müssen an anderer Stelle ausführlich besprochen werden, da sie völlig anders behandelt
werden müssen. Hier sollen sie nur kurz erwähnt werden, z.B.:
- Taubenzecken, Argas reflexus sitzen tagsüber versteckt in Ritzen, ausgehend von Stadttauben oder von
Brieftaubenschlägen gehen nach der Entfernung oder Verdrängung der Tauben auch an Menschen werden sehr
lästig durch nächtliche Attacken. Dauer der Blutmahlzeit 15-30 min; schmerzhafte stark juckende Bisse, lange
anhaltendes Jucken (angeblich bis zu einem Jahr).
- Die braune Hundezecke, Rhipizaephalus sanguineus befällt überwiegend Hunde, überlebt in Mitteleuropa nur in
Häusern und muß auch dort bekämpft werden: .
2. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde
Holzbock-Zecken sind Gestrüppbewohner. Kühl und gleichmäßig feucht leben sie am längsten;
auch wenn bei ihnen in der Wärme alles viel schneller geht, solange es feucht genug ist:
Bewegungen, Wirtssuche, Vermehrungsrate.
Die typischsten Aufenthaltsorte des Holzbocks Ixodes ricinus sind Laub- und Nadelwaldgebiete,
sowie mit Büschen bewachsene offene Flächen. In nördlicheren Gebieten bevorzugen sie die
trockeneren Gebiete, weiter südlich sind sie jedoch immer mehr an feuchteren Orten anzutreffen.
In feuchteren Gebieten des Nordens vermehren sie sich massenhaft, wenn in ausgerodeten Wäldern
Sträucher wachsen (P
OMERANZEW
1935, zitiert aus B
ABOS
1964, S. 191).
B
ABOS
und E
ICHLER
(1964) beschreiben den natürlichen Lebensraum dieser Zeckenart wie folgt:
"Sie finden sich vorwiegend in wenig kultivierten Flächen von Busch- bzw. Heide- bis fast
moorartigem Charakter, auch Sumpfwäldern, nicht aber Überschwemmungsgelände. Für das
Vorkommen der Zecken geben Makroklima, Mikroklima und Erreichbarkeit von Wirten den
Ausschlag.
Damit Zecken an einem Ort leben können, muß die mittlere Temperatur im Jahr wenigstens 3
Monate lang über 10°C liegen und die relative Luftfeuchtigkeit mindestens 80-85% (optimal 92%)
betragen. In Mitteleuropa sind solche Bedingungen in waldreichen Gebieten mit reichlichem