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Zecken / Anhang B-11
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E. Scholl (1995)
Unterholz oder in ehemaligen Moorgebieten verwirklicht. Günstig sind saure, kolloidreiche Böden,
wo das Grundwasser am besten dicht unter der Oberfläche steht.
Als Charakterpflanzen für Zeckenbiotope gelten: Festuca, Agrostis, Molinia caerula, Nardus
stricta, Pteris aquilina, Juncus. Ungepflegte Weideflächen mit einer starken Schicht zerfallender
Vegetation sind häufig zeckenbefallen., auch ist für solche Zeckenweiden oft Wacholderbesatz
charakteristisch."
Junge Zecken ernähren sich bevorzugt vom Blut kleiner Säugetiere: Mäuse, Ratten u,ä., größere
saugen Blut am Wild. Je mehr Mäuse / Wild es gibt, desto besser sind ihre Überlebenschancen.
Natürliche Feinde hat die Zecke so gut wie nicht - außer ihren Wirten. Tiere, die sich selbst oder
gegenseitig putzen, entfernen natürlich auch viele Zecken; um so gründlicher, je weniger Streß sie
haben.
3. Verhältnis zum Menschen
Holzbock-Zecken finden sich naturgemäß häufiger bei Menschen, die sich viel im Freien abseits
der Wege aufhalten. Die häufigste Zecke, I.ricinus, kann in Häusern wegen der dort herrschenden
Trockenheit nicht überleben. Die zunehmende Verstädterung des Landes bei gleichbleibend hoher
Wilddichte erhöht zunehmend die Wahrscheinlichkeit, daß Zecken an Menschen als Wirte geraten.
Variable, die das Leben von Zecken beeinflussen, sind beispielsweise:
- Haustiere inclusive Besuche, sowie deren Freilandaktivitäten,
- "Beutetiere" des Menschen und seiner Haustiere (=Wild),
- Siedlungsbau in den Lebensräumen flohbefallener Wildtiere,
- Freilandaktivitäten der Menschen.
Dagegen kann die braune Hundezecke, R.sanguineus nur in Häusern überleben. Die Taubenzecke, A.reflexus, die auch
in Häusern lebt, ohne allerdings darauf angewiesen zu sein, kann als Folge von starkem Befall mit verwilderten
Haustauben in den Städten zu einem großen Problem werden.
4. Schaden, Gesundheitsgefahren
Sämtliche Zecken werden durch ihre parasitische Lebensweise lästig. Besonders I.ricinus ist
darüber hinaus ein ernst zu nehmender Krankheitsüberträger:
Borrelia Burgdorferi - Zeckenborreliose - Lyme Disease
Das ist eine bislang nicht völlig verstandene Krankheit, deren Symptome an Art und Intensität stark
variieren, und deren Spätfolgen mit einer wachsenden Anzahl von anderen Leiden in Verbindung
gebracht werden müssen. In den USA, wo der Zusammenhang mit Zeckenbissen 1975 erstmalig
entdeckt wurde, kann sie sich anders äußern als in Europa.
Die Erreger der Zeckenborreliose sind Mikroorganismen aus der Bakterienfamilie der Spirochäten,
Borrelia Burgdorferi, eng verwandt mit den Erregern der Syphilis. Das Frühstadium der Krankheit,
die
Wanderröte
(Erythrema chronicum migrans), ist in Europa bereits seit 1909 bekannt
(A
FZELIUS
, 1921). Die Erreger sitzen am Grunde der Speicheldrüsen der Zecken und werden bei
der Blutmahlzeit übertragen, besonders gegen deren Ende.
Als Reservoir für die Erreger werden Kleinsäuger im Wald angenommen, die in hohem Maße
durchseucht sind, aber keine Krankheitssymptome erkennen lassen. (Vielleicht leben sie ja nicht
lange genug, um die Spätfolgen zu "er-leben".) Auch Hunde und Pferde können an Borreliose