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Zecken / Anhang B-11
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E. Scholl (1995)
Zecken haben Sinnesorgane an den Vorderbeinen, die sogenannten die Haller´schen Organe, mit
denen die aufgeregt in der Luft herumtasten, wenn irgendetwas ihre Aufmerksamkeit erregt. Die
Vorderbeine sind dadurch zu einer Art Fühler oder Antennen umfunkioniert, werden aber außerdem
noch zum Laufen benutzt.
Die Tiere reagieren überaus empfindlich auf minimale Veränderungen im CO2-Gehalt ihrer
Umgebungsluft. Wenige Moleküle reichen aus, um sie zu reizen. Diese Empfindlichkeit gleicht
etwa der des Menschen für Knoblauch. So wissen sie oft bereits aus einiger Entfernung, wenn ein
atmendes Lebewesen sich nähert.
Außerdem haben die Zecken einen Vibrationssinn. Mit dessen Hilfe können sie diverse Arten von
Bewegungen in ihrer Umgebung klar auseinanderhalten; beispielsweise den Wind im Gebüsch
vom Herannahen eines Menschen.
Licht können sie mit der Haut wahrnehmen, sind aber ansonsten blind (Hautlichtsinn).
8. Holzbock, Ixodes ricinus (Hundszecke)
Erwachsene Zecken haben einen ovalen bis rundlichen Körper mit acht Beinen. Die Dauer der
Gesamtentwicklung wird mit mehreren Jahren angenommen, wenngleich sie im Labor auf wenige
Monate verkürzt werden kann. Vermutlich nimmt unter natürlichen Bedingungen jedes Stadium
eine Saison in Anspruch. Larven, Nymphen und erwachsene Zecken ernähren sich nur von
frischem Wirbeltierblut. Die Weibchen legen meist mehrere tausend Eier, aus denen Larven
schlüpfen, die sich immer nur nach Blutmahlzeiten häuten. Auch zum Eierlegen ist eine
Blutmahlzeit notwendig.
Der Holzbock schmarotzt an beinahe sämtlichen Haus- und wildlebenden Säugern; seine
Larvenformen (6-beinige Larve, 8-beinige Nymphe) saugen auch an Vögeln und Amphibien. Nicht
nur die Imagines, sondern auch die Nymphen und Larven greifen auch den Menschen an. Die
Imagines schmarotzen hauptsächlich an größeren Tieren, die Larvenformen an kleinen
Säugern,Vögeln und Amphibien. Häufigste Wirte sind Rinder Pferde, Esel, Schafe, Ziegen, Hunde
und Katzen unter den Haussäugetieren und an wildlebenden Säugern Hirsche, Rehe, Füchse,
Dachse und Wildhasen (B
ABOS
1964, p. 191). Die Larven sind häufig an Waldmäusen zu finden.
Das erwachsene Weibchen legt 500-3000 Eier auf den Boden. Die Entwicklung im Ei und
Lebensfähigkeit der Larven ist stark abhängig von der Feuchtigkeit. So kommt es, daß der
Holzbock um Haus kaum zum Problem werden kann.
Bei weniger als 80% relativer Luftfeuchte sterben die Eier ab, und es werden
auch wesentlich weniger Eier gelegt.
Die Temperatur ist weniger wichtig. Sie wirkt sich aber auf die Dauer der Entwicklung aus.
Temperatur
Entwicklungsdauer der Larven im Ei
[°C]
[Dauer in Tagen]
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25 bis 30°C
25 Tage