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der US-Streitkräfte und den entsprechenden nationalen Fach-Institutionen geknüpft, bei besonderen
Schädlingsproblemen erste Hilfe geleistet u.v.m.
Auch die Erarbeitung der für die Schädlingsbekämpfung relevanten amerikanischen und deutschen
Gesetze gehörte zu meinen Aufgaben. Da die US-Streitkräfte nach dem NATO-SOFA (North
Atlantic Treaty Organisation, Status of Forces Agreement, Juni 1951), verpflichtet waren, immer
das jeweils strengere Gesetz einzuhalten, mußten wir alle genau kennen.
Für die zahlreichen sehr klaren und differenzierten amerikanischen Gesetze und technischen
Anweisungen gab es - außer z.T. in England - so gut wie keine europäischen Entsprechungen. Fast
immer war das amerikanische Gesetz strenger, meist gab es überhaupt keine europäische
Ensprechung. Die in großen Mengen vorhandenen Lehrmittel aus Amerika waren "naturgemäß"
nur beschränkt übertragbar. Es gab nichts, an das man sich halten konnte.
So gesehen, glich meine Arbeit als Entomologist für USAREUR jahrelang einem Faß ohne Boden.
Die Angst einer pestizidüberempfindlichen Generalsgattin vor Gift versetzte der integrierten
Schädlingsbekämpfung bei den amerikanischen Streitkräften in Europa einen gewaltigen
Energieschub. Ihr Ehemann, der ihre Angst ernst nahm, setzte mit beispiellosem Engagement
durch, daß ganz speziell für den Aktionsbereich der amerikanischen Streitkräfte in Europa ein
einzigartiges Konzept für die integrierte Schädlingsbekämpfung im nicht-agrarischen Bereich
erarbeitet wurde, das sich durch ein (seinerzeit) absolutes Minimum an Pestizidrisiken auszeichnet.
Die Risikominimierung betrifft sowohl die Art als auch die Menge der verwendeten Stoffe.
Als Ausgangsbasis für dieses Konzept, das beim 10th Medical Laboratory des 7th Medical Command, Preventive
Medicine Department in Landstuhl während der Jahre 1986-88 erarbeitet wurde, dienten außer den einschlägigen
Armee-Verordnungen und technischen Handbüchern der Streitkräfte auf der Basis des amerikanischen Pestizidgesetzes
in erster Linie die Arbeiten des Bio Integral Resource Centers, Berkeley, CA. Das Konzept wurde u.a. mit dem Institut
für Toxikologie der Universität Düsseldorf und mit dem Bundesgesundheitsamt Berlin abgesprochen.
Das Modell, das in der Broschüre "Das integrierte Schädlingsmanagement für häufig vorkommende
Schädlinge in USAREUR" (1987) und im USAREUR Handbuch für die Schädlingsbekämpfung
(1988) niedergeschrieben wurde, galt für anfänglich ca 45 Militärgemeinden und rd 300
Schädlingsbekämpfer in ganz Europa.
So gibt es mitten in Deutschland und Europa bereits einige Jahre Erfahrungen mit Erfolg und
Mißerfolg der integrierten Schädlingsbekämpfung im nicht-agrarischen Bereich.
Die USAREUR-IPM-Richtlinien haben sich bereits einige Jahre lang im
Arbeitsalltag mitten in Deutschland bewähren können. Wo immer sie umgesetzt
werden können, häufen sich schlagartig überzeugende, dauerhafte
Bekämpfungserfolge, während der Pestizideinsatz gleichzeitig um bis zu 98%
verringert werden kann.
Der Prozess der Umstellung auf die integrierte Schädlingsbekämpfung ist nach diesen Erfahrungen
sehr arbeitsintensiv. Langfristig wird die Arbeit - entsprechende Sachkunde und ständige
Bereitschaft zur Kommunikation vorausgesetzt - wesentlich vereinfacht.
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