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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
Die Larven der Hausmücke Cu lex pipiens, ernähren sich vom Schmutz in Wasseransammlungen. Wasser und Schmutz
stellt fast immer der Mensch selbst bereit. Mückenlarven und erwachsene Mücken sind Nahrungsgrundlage für
zahllose weitere Tiere.
Die meisten durch sogenannte Schädlinge verursachten "Schäden" sind - ökologisch, global
betrachtet - als nützlich einzustufen.
Ameisen, Fliegenmaden, Ratten, Mückenlarven u.a.machen sich nützlich, indem sie mikrobiell verseuchte Abfälle und
tierische Überbleibsel beseitigen. Vorratsbewohner verwerten falsch, bzw. zu lange gelagerte, d.h. überschüssige
Lebensmittelvorräte weiter. Aufgabe der Motten ist es, nicht gebrauchte Textilien in den Naturhaushalt
zurückzubringen.
Im weitesten Sinne müssen selbst Infektionskrankheiten, die ja häufig durch Tiere übertragen werden, als
höchstwirksamer Schutz vor Überbevölkerung angesehen werden.
Viele sogenannte Schädlinge sind spezialisiert auf Grenzen und Lücken. Die Fähigkeit zur
Massenvermehrung, nächtliche Lebensweise, unvorstellbare Bescheidenheit gepaart mit
grenzenloser Gefräßigkeit, geringe Größe, widerstandsfähige Dauerstadien und phantastische
Überlebensstrategien helfen ihnen dabei. Viele sind bereits überall (Milben) oder sie werden
mitsamt ihren Verstecken überall hin verschleppt (Schaben, Mäuse, Pharaoameisen u.a.).
1.1.2. Geschädigte
... sind diejenigen, die meist unbewußt die von ihnen beanspruchten Lebensräume für andere
Lebewesen zur Mitbenutzung zur Verfügung stellen. Das kann auf vielfältige Weise geschehen.
Hier ein Beispiel aus dem Büro: wer gewöhnt ist, Krümel vom Tisch zu fegen, anstatt sie einzusammeln, macht den
Teppichboden zum Lebensraum. Solange keine weiteren Lebewesen da sind, passiert nichts. Das kommt aber selten
vor. Ein paar Mikroben, Schimmelpilze und Milben freuen sich überall über jeden Krümel.
Nur wenn Lebewesen den Weg in einen geeigneten Lebensraum finden, können sie ihn auch
nutzen. Das tun sie aber jedesmal und sofort, sobald sie auch nur die geringste Gelegenheit
bekommen. Darauf sind sie spezialisiert, jede Art auf ihre besondere Weise. Wenn eine Art den
Weg in einen Lebensraum einmal gefunden hat, ist zu erwarten, daß die Angehörigen dieser oder
verwandter Arten ihn auch immer wiederfinden.
Einfach ausgedrückt: sobald eine Wohnung frei wird (z.B. nach Vergiftung der Bewohner durch die Methoden der
traditionellen Schädlingsbekämpfung) können neue Mieter einziehen. Das gilt, solange der Lebensraum erhalten
bleibt, und es geschieht immer wieder, wenn es einen Weg dahin gibt.
Das gilt für die Menschen genauso: sie mußten
Amerika erst entdecken, bevor sie es besiedeln konnten.
Je länger Wege und Lebensräume bestehen, desto sicherer kann die Art dort auch überleben.
Übertragen auf die Menschen und Amerika: anfangs war der Weg dorthin lang und gefährlich. Das hat sich mit der
Zeit geändert. Inzwischen hat sich die Population dort fest etabliert, und der Kontinent wird immer intensiver genutzt.
Inzwischen ist das Überleben dort einfacher als an vielen anderen Orten der Erde.
Schäden, die der Mensch im Zusammenhang mit Lebewesen beklagt, sind in erster Linie
Materialverlust und Krankheiten, die sie übertragen und / oder verschleppen.
Außerdem gibt es eine wachsende Zahl von chronischen Vergiftungen und Langzeitfolgen, sowie
Krankheiten, die mit den Bekämpfungsmaßnahmen in Verbindung gebracht werden.