Seite 23
Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
9
Schädlingsbekämpfer, Anleitung für Schädlingsbekämpfungspläne, Pestizid-Unfälle, Pestizid-Feuer, Entsorgung von
Pestiziden, Schädlingsbekämpfung in medizinischen Einrichtungen, Befallsüberwachung im Vorratsschutz u.v.m..
Anscheinend hat sich aus der deutschen Fachwelt bisher noch niemand dafür interessiert.
Eine Verpflichtung zur Weiterbildung fehlt bisher.
1.2.2.5. Pestizidanwendung:
Die Pestizidanwendung ist mit z.T. schwerwiegenden Problemen für den Anwender verbunden, die
hier nur in groben Zügen umrissen werden können. Grundlage für die folgenden Ausführungen
sind meine Beobachtungen an sowohl Armee-Angestellten als auch deutschen gewerblichen
Bekämpfungsfirmen, sowie Gespräche mit zahlreichen Schädlingsbekämpfern aus allen Bereichen.
- Zahlreiche Schädlingsbekämpfer haben mit dem richtigen
Gebrauch von
Schutzkleidung und Atemschutzgeräten
größte Schwierigkeiten. Die Probleme
reichen von der richtigen Auswahl und Pflege über das Erkennen von Mängeln, den
ordnungsgemäßen Gebrauch bis zur Reinigung bzw. Entsorgung. Oft wird - wegen der
ungünstigen Trageigenschaften, Beschaffungsproblemen oder aus Kostengründen -
ungenügende Schutzkleidung gewählt. In einigen Bereichen der traditionellen
Schädlingsbekämpfung war es jahrelang nicht möglich, die richtige Schutzkleidung zu
ermitteln, da Hersteller von Schutzkleidung und Pestiziden wesentliche Angaben
verschwiegen haben. Die Schutzkleidung, die wirklich dicht wäre, ist wegen der
absoluten Feuchtigkeitsundurchlässigkeit als reguläre Arbeitskleidung unzumutbar.
- Mit der
Beschaffung und richtigen Auswahl der Mittel und Geräte
geht es weiter.
Längst nicht jedes Pestizid ist für jede Anwendung geeignet. Um eine richtige
Entscheidung zu treffen, sind umfassende Vorkenntnisse erforderlich, außerdem gute
Information und Gebrauchsanweisungen der Hersteller.
- Größte Probleme bereitet zahlreichen Praktikern auch das
Ausrechnen der benötigten
Menge
von Bekämpfungsmitteln (= Aufwandmenge) und Ansetzen der richtigen
Konzentration, sowie die richtige Ausbringung von Pestiziden (Zustand der Geräte,
Düsen und Ventile, sowie Verwendung, Wartung und Pflege unter Praxisbedingungen im
Alltag).
- Über die korrekte
Entsorgung
von überschüssigen Mittelresten gehen die Ansichten weit
auseinander. Sie reichen von Deponieren über Verbrennen bis zum Im-Freien-Verteilen.
- Mit der
Dekontamination
nach Bekämpfungsende oder Möglichkeiten der Translokation
von Pestiziden sind die Praktiker i.d.R. endgültig überfordert. Hierzu geben die
Hersteller - wenn überhaupt - nur völlig unzulängliche Informationen.
-
Versorgung mit Pestiziden
: Die Angst, irgendwann ohne Gift da zu stehen, führt leicht
zum Horten von Giften, besonders, wenn irgendeine Verknappung eintritt, aus was für
Gründen auch immer. Demzufolge werden Pestizide oft in großen Mengen gelagert und
sind veraltet, überlagert oder haben Lagerschäden, bevor sie gebraucht werden. Die
korrekte Lagerung von Pestiziden ist eine Sache für sich. Ein Herstellungsdatum ist
kaum je zu finden, geschweige denn ein Verfallsdatum.