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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
1.2.4.4. Sucht
Der Alltag des Chemikaliengebrauchs bringt immer neue, stärkere "Wirk"- Stoffe hervor, ohne den
Anspruch, die bereits vorhandenen wirklich zu kennen. Diese Art des Umgangs hat auffällige
Parallelen mit dem suchtmäßigen Drogenmißbrauch (E
ICHLER
&
E
ICHLER
1989).
1.2.4.5. weitere Beobachtungen; Gegensätze und Widersprüche
Viele Personen, die alle Schadstoffe verbieten wollen, konsumieren gleichzeitig gewohnheitsmäßig
starke Reizstoffe als Luxusartikel (z.B. Alkohol, Zigaretten, Parfüm und sonstige Düfte, Kerzen).
Die vielgepriesene "Sauberkraft der Zitrusfrische" enthält, wie wir sehen werden, mindestens zwei
Komponenten, die Insekten töten (Seife und Zitrusöle). Einzelne relativ umweltneutrale
Schädlingsbekämpfungsmittel sind hochgiftig (z.B. Blausäure).
Viele Schädlingsbekämpfungsmittel sind weniger giftig als manche Genußmittel.
(
Hundert Tassen Kaffe, ein gehäufter Esslöffel Kochsalz oder 5 Muskatnüsse sind tödlich
.
Demgegenüber kann man
sich an bestimmten Schädlingsbekämpfungsmitteln wie Silikagel oder Methopren eher überessen als vergiften.
)
1.2.4.6. Fazit
Sogenannte "chemiefreie" Methoden der Schädlingsbekämpfung belasten die Umwelt
möglicherweise stärker als manche Chemikalien, oder sie sind gefährlicher (z.B. Energieverbrauch
und Brandgefahr bei Hitzebehandlung, Benzinverbrauch bei thermischer Unkrautbekämpfung).
Einseitige Ablehnung von Pestiziden ohne echte Alternative führt unweigerlich zu alternativen
Belastungen.
Voreiliger Verzicht auf Chemikalien ohne sorgfältige Vorbereitung kann unkontrollierbare
zusätzliche Belastung mit anderen Chemikalien oder zusätzlichen Abfall, z.B. durch verdorbene
Lebensmittel zur Folge haben.
Verzicht auf Pestizide oder Konservierungsmittel kann das Wachstum von Schädlingen, Mikroorganismen und / oder
Schimmelpilzen begünstigen; Anreicherung von Allergenen und Toxinen können die Folge sein. Der richtige Umgang
mit derartigen Einsparungen setzt ein solides Wissen voraus.
Neue Anwendungsformen von Pestiziden in Räumen können die Gesamtbelastung auf ein absolut
minimales Risiko verringern, werden aber aus Prinzip abgelehnt, weil sie Pestizide enthalten. Die
Anerkennung als besonders umweltschonend wird ihnen verweigert; sie erhalten beispielsweise
nicht den Blauen Engel.
Wieweit muß die Empfindlichkeit der Überempfindlichen als Maßstab für die Allgemeinheit
gelten? Das ist eine Umwelt- und eine Kostenfrage.
1.2.5. Resistenz / Repellenz
Resistenz ist eine natürliche Fähigkeit der Lebewesen zur Anpassung an widrige Umstände. Wenn
alle diejenigen, die gegen ein Gift empfindlich sind, sterben, dann können sich nur die vermehren,
die übrigbleiben.