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2. Diskussion und Empfehlungen Integrierte Schädlingsbekämpfung
Mikrokapsel weniger giftig, während der Zusatz von Emulgatoren es leichter durch die Haut
eindringen lassen können. Auch der Untergrund kann die Giftwirkung beeinflussen. Hierüber
sollten die Hersteller Auskünfte bereit halten.
- Eigenschaften von Pestiziden gilt es insgesamt und auch innerhalb der Wirkstoffgruppen
gegeneinander abzuwägen. Zum Beispiel Organophosphate: Dichlorvos ist stark verdampfend
und zieht in poröse Materialien ein; Propetamphos ist giftig wie Chlorpyrifos, aber nicht so
stark repellent. Diazinon ist sehr giftig und stinkt; es ist aber leicht abbaubar; usw. (->
Pestizide).
- Wegen der Gefahr der Resistenz wird mehr Abwechslung bei Wirkungsmechanismen, d.h.
Wirkstoffgruppen benötigt. Die Vielfalt ist hier erforderlich und muß gefördert werden. Das
steht sicher im Gegensatz zu anderen Gruppen von Chemikalien, bei denen die Gesamtzahl
nach Möglichkeit reduziert werden sollte. Allerdings ist zu prüfen, auf welche Wirkstoffe und
/ oder Wirkstoffgruppen ohne Not verzichtet werden kann. Außerdem müssen die Wirkstoffe
nicht alle gleichzeitig verfügbar sein, sondern nacheinander.
- Wenn Pestizide eingesetzt werden, muß im unmittelbaren Nahbereich des Menschen,
grundsätzlich die Tilgung angestrebt werden. Wo die Tilgung nicht erreicht werden kann,
sollte unbedingt ein entomologisches Gutachten gefordert werden. In diesen Fällen ist der
Pestizideinsatz die absolute Notlösung, die große Ausnahme bleiben muß. Hier unterscheidet
sich die Schädlingsbekämpfung in Räumen von derjenigen in der Landwirtschaft.
- Vor der Einführung neuer Mittel abwarten, bis objektive Informationen von unabhängiger Seite
vorliegen.
2.2.2.8. Wünschenswerte Eigenschaften minimalriskanter Wirkstoffe
:
Unter Fachleuten traditionell wünschenswerte Eigenschaften an pestizide Wirkstoffe sind:
wirksam, möglichst schnell wirkend, dauerhaft wirksam bis zur Befallstilgung, keine Resistenz,
lagerstabil. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.
Was darüber hinaus für den Wirkstoff zu wünschen ist:
- geringe akute Giftigkeit des Wirkstoffes und der Abbauprodukte bei Aufnahme durch die Haut,
Die Atmung und den Mund,
- geringe Aufnahme des Stoffes, besonders durch Haut und / oder Atmung.
(Löslichkeit und Dampfdruck geben Hinweise auf die Aufnahme durch Haut und Atmung, wenn auch keine
Garantie für Sicherheit. Es gibt auch Möglichkeiten für schwerlösliche und nicht verdampfende, aber lipophile
Stoffe oder elektrostatisch geladene Teilchen, durch Haut und Atemwege in den Körper zu gelangen, die hier
berücksichtigt werden müssen. Diesbezügliche Informationslücken zu füllen, ist Sache der Hersteller.)
- geringe Löslichkeit in Wasser und organischen Lösungsmitteln,
- geringer Dampfdruck des Wirkstoffs, oder kurze Wirkungsdauer,
- unproblematischer Aggregatzustand: besser fest als flüssig und besser flüssig als gasförmig,
- spezifische Wirkung,
- Dekontaminationsfähigkeit, d.h. die Möglichkeit, überschüssiges Material nach Beendigung
der Aktion wieder zu entfernen,
- geringe Translokation.
weiterhin müssen berücksichtigt werden: Anwendungskonzentration (spezifisch auf die Zielart);
Anfangswirkung, Repellent-wirkung; chronische Giftigkeit, toxikologische Erfahrung
(Volksweisheit; bekannte Stoffe sind den unbekannten vorzuziehen)