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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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Das über Streß und Synergismen Gesagte gilt für Schädlinge genauso - bei der Abwehr mit
umgekehrtem Vorzeichen: Es genügt oft, ihnen auf vielfältige Weise
Streß
zu bereiten, um sie
abzuwehren (s.u.: Methoden, Synergismen).
2.2.5. Resistenz & Repellenz
Pestizide sparsam und gezielt einsetzen, nicht überstrapazieren.
Repellierende Stoffe mit Dauerwirkung nur dort einsetzen, wo vollständige Benetzung sämtlicher
befallener und gefährdeter Schlupfwinkel gewährleistet werden kann. Das ist eine fast immer
völlig unrealistische Forderung, da niemand weiß, was für Hohlräume und welche Arten von
Oberflächen sich hinter polierten Fassaden verbergen. Die Alternative ist Verwendung nicht
repellierender Mittel / Methoden (s.u.: Methoden, Pestizide.
Resistenzvermeidung setzt Kenntnisse über Resistenz voraus. Deshalb müssen
Resistenzuntersuchungen in Deutschland gefördert und durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind
in einer für Laien verständlichen Weise der Allgemeinheit zugänglich zu machen.
2.2.6. Industrie; Werbung
Hier wird vor allem empfohlen, kleine Produktionen und Optimierung bei den Zubereitungen zu
fördern; wenig Material, optimal aufbereitet, deshalb etwas teurer anzubieten, hilft bei der
Vorbeugung gegen Resistenz, verringert die Kontaminationsgefahren und Unfallträchtigkeit. Bei
dieser Entwicklung empfiehlt es sich, die Erfahrungen aus dem Pharmabereich anzuwenden.
Bei der Produktion und Vermarktung von Pestiziden, besonders hinsichtlich der Resistenzgefahr, ist
Weitsicht geboten. Wer Produkte in Verkehr bringt, muß auch die Verantwortung dafür
übernehmen (= industry / product stewardship). Wer sich dazu nicht in der Lage fühlt, muß sie
sinnvoll abtreten: Für den richtigen Umgang mit Pestiziden sind die Voraussetzungen zu schaffen.
Beispiele für notwendige Vorraussetzungen sind ausführliche Produktinformation, Fortbildung,
Abgabe begrenzen, bedingt lizenzieren, an Sachkenntnisnachweise knüpfen. Das ist sicher
übergangsweise teurer als der reine Verkauf, wird sich aber bald auszahlen. In der Dissertation von
S
EIDL
(1993) finden sich wertvolle weiterführende Hinweise.
Das Schwergewicht der Entwicklung muß bei nicht-repellierenden Zubereitungen für
Schlupfwinkel liegen.
Vorteile:
- Aufgrund von Resistenzvermeidung bei korrekter Anwendung "halten" Pestizide länger; es
brauchen nicht ständig neue entwickelt zu werden.
- Dadurch werden Entwicklungsgelder frei, die anderweitig verwendet werden können, z.B. für
die Betreuung der Produkte oder die Förderung Risikominimierender Anwendungsmethoden.
Auch konkret gibt es viel zu tun:
- Bei der Entwicklung ist zu differenzieren zwischen high-tech und low-tech für unterschiedliche
Anwenderkreise. Noch besser wäre, nur noch laienfähige Produkte zu entwickeln, denn auch
für Fachleute sind laienfähige Produkte weniger riskant. Ggf. kann der Komplikationsgrad
langsam steigern. Der Komplikationsgrad sollte für jeden möglichen Anwender mental
verkraftbar sein, nicht nur für den erwartungsgemäßen.