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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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Gutes geschieht, sollte es geschehen dürfen. Es ist völlig gleichgültig, wer es tut (H
OFFMANN
, ca
1987, mündl. Mitt.).
Objektiv gesehen, schaden auch Wiederholungen weniger als Auslassungen. Anstatt sich über die
Konkurrenz zu ärgern, kann es auch Freude machen, wenn andere eine gute Idee nochmal
wiederholen. So spricht sie sich vielleicht schneller herum. Besonders, wenn die Wiederholung in
einer anderen sozialen Sprache als der eigenen geschieht, ist das eher ein Erfolg der Sache denn als
Schaden zu werten. Sofern die Grundbedürfnisse des Menschen gedeckt sind, ist das nur eine
Frage der inneren Einstellung, die zugegebenermaßen nicht immer ganz leicht fällt, aber erlernbar
ist. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist die Überwindung des Konkurrenzdenkens.
Wenn Zuständigkeiten über Grenzen hinweg koordiniert werden können, erleichtert das die
Schädlingsbekämpfung kolossal.
2.2.11. Umweltorganisationen
Ehrenamtliche Beiträge haben eine natürliche Grenze, die es anzuerkennen gilt. Was darüber
hinaus geht, muß einen angemessen Preis bekommen und bezahlt werden.
Gelegentlich die Selbstkosten / Nutzen durchrechnen (= Effizienz) prüfen. Professionelles
Management in Erwägung ziehen.
Die interne Vernetzung zwischen politisch Aktiven und inhaltlichen Zuarbeitern muß verbessert
werden. Interne Workshops, Seminare und Tagungen u.a. fördern die Kommunikation.
Nichtwissenschaftliche Mitglieder müssen den Widerwillen gegen Fachinformationen überwinden,
während inhaltlich zuarbeitende Fachleute soziale Fremdsprachen lernen müssen.
Sowohl unter den verschiedenen Organisation als auch innerhalb der Organisationen gilt es, den
Teamgeist stimulieren. Wünschenswert ist Kooperation statt Wettbewerb. Keine Sorge; es gibt für
alle genug zu tun.
Betrachtung der Realität wird empfohlen. Das hilft bei der Überwindung von Vorurteilen und
erhöht die Toleranz für geringfügige Abweichungen der Mitstreiter von der eigenen Meinung. Das
bedeutet für jemanden, der im Bereich Schädlingsbekämpfung mitreden will, daß er sich über
Pestizide kundig machen muß, um differenzieren zu können, anstatt sie pauschal zu verdammen.
Anhaltspunkte gibt der Abschnitt weiter unten (Pestizide), macht allerdings Arbeit.
2.2.11.1. Integrierte Schädlingsbekämpfung und Tierschutz
Für jeden einzelnen Schädlingsbefall muß unter Beachtung des Umwelt-, Gesundheits-
und
Tierschutzes abgewägt werden, welche Kombination von Methoden gewählt wird, um das Problem
zu beheben. Jede Methode hat Eigenschaften, die sie mal mehr mal weniger wünschenswert
machen.
Die berechtigte Forderung im Sinne des Tierschutzes lautet hier, die tatsächliche Fehlerquelle zu
erforschen und diese zu beheben, ein übersehenes Betätigungsfeld für wirkungsvollen Tierschutz.
Wenn gleichzeitig der Lebensraum für die "Schädlinge" begrenzt und / oder unbrauchbar gemacht
wird, ist die schnelle Beseitigung massenhaft auftretender Individuen in Ausnahmefällen die ethisch
am ehesten vertretbare Lösung.