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3. Stufenplan für die Umsetzung Integrierte Schädlingsbekämpfung
Als weitere zentrale Zielgruppen für Information über integrierte Schädlingsabwehr sind zu nennen:
- die
Schädlingsbekämpfer
, denen die entsprechenden Kenntnisse vermittelt werden müssen,
sofern sie diese nicht bereits haben, und zwar durch Berufsaus- und fortbildung und durch
geeignete Literatur;
- die
Auftraggeber der Schädlingsbekämpfer
, die zuerst über mögliche Alternativen
informiert werden müssen, bevor sie die Bereitschaft entwickeln können, sie auch zu
verlangen, ertragen und zu bezahlen: Zahlreiche Berufsgruppen, wie Küchen- und
Reinigungs- und Lagerpersonal, Handwerker und Entsorgungsbetriebe, die durch ihre
Aktivitäten
±
unbewußt Schädlingsprobleme verursachen, müssen ebenfalls entsprechend
informiert werden; außerdem sämtliche Aufsichts- und Kontrollinstanzen, die in
irgendeiner Weise mit Schädlingsproblemen konfrontiert werden, sowie die
Verbraucherzentralen;
- Berater, Betreuer und Überwacher
, die für die Qualitätssicherung, Kontrollen und
Überwachung der integrierten Schädlingsabwehr notwendig werden: auch sie müssen in
ausreichender Anzahl zunächst entsprechend vorbereitet werden;
Zur Umsetzung und dauerhaften Durchsetzung der integrierten Schädlingsabwehr muß die
angewandte Schädlingskunde als zusätzliche Qualifikation der Biologie
an mindestens einer
Universität eingerichtet werden. Die in den USA längst vorhandenen Erkenntnisse, deren
Verwertung großzügig angeboten wird, sollten fortlaufend weiter nutzbar gemacht werden,
möglichst in Form von Studienaufenthalten an den einschlägigen Instituten, oder als Fernkurse, wie
sie z.B. bei der Purdue-University angeboten werden.
Allerdings müssen die dortigen Erkenntnisse für europäische Anforderungen modifiziert werden, denn amerikanische
Verhältnisse und Schädlinge sind z.T. anders und müssen erst angepaßt werden, da sie z.T. nicht ohne Änderung
übertragbar sind. Außerdem hat sich die integrierte Schädlingsabwehr auch in den USA noch nicht genügend fest in
den traditionsreichen Lehrplänen etablieren können und muß dann separat vermittelt werden.
Es wird dringend empfohlen, die Prüfung zum
"staatlich geprüften Fachentomologen"
wieder
einzuführen, die es in der ehemaligen DDR bis vor einigen Jahren noch gab.
Die Fachentomologen brauchen ständig Möglichkeiten zur praktischen Anwendung der integrierten
Schädlingsabwehr, um Erfahrungen zu sammeln. Hiermit ist ausdrücklich nicht die Forschung
gemeint, sondern die Arbeit selbst, und damit einhergehend die Vertiefung und Umsetzung von
theoretischem Wissen in den Alltag der praktischen Anwendung.
Von Beratern, Betreuern und Prüfern ist eine logisch aufgebaute, klare Linie zu verlangen und
verbindlich einzuhalten, ebenso wie von den Schädlingsbekämpfern. Zur Förderung einheitlicher
Maßstäbe und aus Effizienzgründen wird dringend empfohlen, die Grundlagen auf Bundesebene
interministeriell und interdisziplinär ständig zu bearbeiten.
Die hier erarbeiteten Richtlinien und Arbeitsanweisungen, die den gegenwärtigen Stand der
Technik darstellen, müssen regelmäßig revidiert werden; methodische Neuerungen sind sorgfältig
zu prüfen und ggf. einzuarbeiten.
Anfänglich muß diese Revision sicher jährlich stattfinden, später
beispielsweise im zwei-Jahres-Rhytmus, und zwar von einem unabhängigen, neutralen Gremium, das nicht zu groß sein
darf, und das sich beispielsweise vierteljährlich trifft. In die Arbeit dieses Gremiums müssen aber alle
Praxiserfahrungen einfließen. Der ehemalige Praxisbeirat der DDR und / oder das Armed Forces Pest Management
Board des amerikanischen Verteidigungsministeriums können dabei als Vorbild dienen. Um die Konzentration auf die
Inhalte zu gewährleisten, muß dieses Gremium straff organisiert werden.