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5. PestizideIntegrierte Schädlingsbekämpfung
Besonders zum Schutz vor Seuchen wird der Gifteinsatz bei wachsender Erdbevölkerung immer
häufiger als unverzichtbar angesehen, und selbst bei der Vorbeugung vor Schädlingen können
Gifte - klug eingesetzt - helfen, großen Schaden zu verhüten.
Jeder, der Schädlinge loswerden will, muß etwas über die Schädlinge lernen.
Wer Gift richtig einsetzen will, muß noch viel mehr lernen, und zwar aus allen verwandten
Gebieten, wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Toxikologie, sowie Werkstoffkunde
u.v.m..
Damit der Schädlingsbekämpfer für jede Situation das richtige Gift auswählen kann, muß er die
Schädlingsart und die zu behandelnden Materialien berücksichtigen, die Umweltbedingungen wie
Klima und Temperatur beachten und einige Eigenschaften von Wirkstoffen und Zubereitungen, wie
Wirkungsmechanismen, Flüchtigkeit, Lichtstabilität, Wirkungsdauer und Repellent-Wirkung
vergleichen können (R
UST
&
AL
. 1995, S. 151).
Er muß auch auf dem neuesten Wissenstand bleiben, da ständig neue Informationen über giftige
und sonstige Wirkstoffe herauskommen, die die Entscheidung beeinflussen müssen. Auch das
Denken ändert sich ständig mit den Erkenntnissen.
Dummerweise werden Informationen, Behauptungen und Gerüchte über Gifte oft nur hinter
vorgehaltener Hand und ohne jegliche Quellenangabe verbreitet. Zahlreiche solcher
"Informationen", die ich über lange Jahre auf diese Weise erhalten habe, wurden mir trotz
unablässigen, hartnäckigen Fragens weder bestätigt noch widerlegt.
Beispiele:
- Feldresistenz sei in Europa grundsätzlich höher als in den USA. Deshalb könne man hier auf Kombipräparate
zum Zweck des Resistenzbrechens nicht verzichten.
- Alle in Pestiziden verwendeten Lösungsmittel gehen durch fast alle Schutzkleidungen durch. Dabei reißen sie oft
die Wirkstoffe mit; sogar, wenn die Wirkstoffe von sich aus nicht durchgehen. Die einzige dichte
Schutzkleidung, die es gibt, ist als Arbeitskleidung eine unzumutbare Belastung für den menschlichen
Organismus, da sie absolut dicht für alles ist. Der Träger badet in seinem eigenen Schweiß. Zusätzlich belastend
ist dabei die größere Aufnahmefähigkeit der verschwitzten Haut für Lösungsmittel und Pestizide.
- Mit Fettcreme eingecremte Haut läßt Pestizide leichter durch als unbehandelte; fettfreie Schutzcreme soll aber
besser sein als Handschuhe.
- Kunststoffe aller Art saugen Pestiziddämpfe auf und lassen sie nur ganz langsam wieder raus (engl.: plasticizing,
translocation). Ein Lösungsmittel aus Haushaltsreiniger oder Möbelpolitur u.a. kann diese Rückstände in
toxischen Mengen in Putzwasser wieder auftauchen lassen.
Je mehr wir wieder lernen, bewußt
in
der Umwelt zu leben, anstatt oben drüber zu
schweben, desto besser lernen wir sie kennen; um so weniger Gift werden wir brauchen,
um uns vor ihr zu schützen. Da wir uns zur Zeit von diesem Zustand eher entfernen,
werden wir vorerst eher mehr Gifte "brauchen".
Giftempfehlungen zur Schädlingsbekämpfung sind in diesen Zeiten einem raschen Wandel
unterworfen. Deshalb muß die Vorratshaltung für Gifte äußerst flexibel sein. Das geht nur, wenn
die Versorgung schnell und zuverlässig funktioniert.
Jeder Anwender sollte also nur die Gifte vorrätig haben, die er wirklich in einem überschaubaren
Zeitraum braucht. Nur so kann er verhindern, daß überflüssig gewordene Gifte auf Halde als