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5. PestizideIntegrierte Schädlingsbekämpfung
Trotz langjährigen intensiven Nachdenkens ist es nicht ganz gelungen, sämtliche Widersprüche
völlig auszumerzen. Besonders in diesem Abschnitt kann ich manche deutlich fühlen, aber noch
nicht ganz ausräumen. Beispiele:
- Schlupfwinkelbehandlung wird allseits gefordert, während in der Praxis die Präparate,
Ausbringungsgeräte und Ausbildung weiter die routinemäßige Begiftung von großen Flächen
behandeln. Hier gibt es eine riesige Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis.
- Die große Wirkung homöopatischer Konzentrationen ist bekannt (s.o.), während in der
Schädlingsbekämpfung schwere Giftigkeit und geringe Konzentrationen aber als
erstrebenswert gelten.
Der Gebrauchswert der unten vorgeschlagenen Reihenfolge von Wirkstoffeigenschaften und die
Informationsmengen für verschiedene Zielgruppen muß in der Praxis erprobt und von der Fachwelt
diskutiert werden. Möglicherweise brauchen wir mehrere Listen für verschiedene, auch wachsende
Ansprüche. Ich bitte alle, die dies lesen, um Vorschläge für Verbesserung.
Für zweckmäßigkeitsbegrenzende oder umweltschädigende Eigenschaften von Pestiziden sind
einheitliche Maßstäbe zu fordern. Z.B. die Löslichkeit in Wasser/Fett, Dampfdruck bei
verschiedenen Temperaturen, Flüchtigkeit, Lipophilie, Sättigungskonzentration bei verschiedenen
Temperaturen müssen so angegeben werden, daß der Anwender sie auch vergleichen kann, ohne
daß er erst studieren muß. Das gilt für Wirkstoffe und Zubereitungen, für die Autoren von
Fachliteratur und für die Gebrauchsanweisungen von Bioziden gleichermaßen. Vor allem muß dies
für Sicherheitsdatenblätter gefordert werden.
Der Dampfdruck beispielsweise sollte immer für die gleichen Temperaturen angegeben werden,
oder besser noch als Kurve. Oft muß man sie kompliziert umrechnen, um sie vergleichen zu
können.
Bisher fehlen oft gerade diese Hinweise oder sie sind nicht vergleichbar.
Wirkstoffnamen, Giftigkeit, Löslichkeit und Dampfdruck, Angaben zur Lipophilie von Wirkstoffen
müssen in Listen hervorgehoben werden, denn in der Praxis sind diese Eigenschaften wesentlich
bedeutsamer als Produktnamen, mit denen oft wechselnde Wirkstoffe zum Zweck der besseren
Vermarktung getarnt werden.
Als Anhaltspunkt für die Wichtigkeit von Informationen in Gebrauchsanweisungen von Pestiziden gilt leider meist: je
kleiner etwas gedruckt ist, desto wichtiger ist es. Informationen über Personenschutz und Dekontamination sollte sich
jeder Anwender einmal im Jahr beim Hersteller aktualisieren lassen.
5.2. Wirkstoffgruppen und Wirkstoffmechanismen
Die Kenntnis der Wirkungsmechanismen ist wichtig bei der Vermeidung von -> Resistenz.
Besonders bei den Pyrethroiden, aber auch bei chlorierten Kohlenwasserstoffen u.a. fällt immer
wieder auf, daß die Gruppen selbst in Fachkreisen insgesamt entweder verteufelt oder gepriesen
werden. Hier muß aber differenziert werden. Innerhalb der einzelnen Wirkstoffgruppen gibt es
große Unterschiede.
Einige Wirkstoffe sind mehrfach gelistet, weil sie in mehrere Gruppen passen.