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Integrierte Schädlingsbekämpfung
5. Pestizide 99
Schlupfwinkel ausschalten durch Zuschmieren, Reparaturen und Aufräumen unordentlicher
Bereiche. Denken Sie daran, daß die Schlupfwinkel sorgfältig zugeschmiert werden müssen. Jeder
Schlupfwinkel, der nicht 100 Prozent versiegelt werden kann, sollte geöffnet werden, um die
Insektizidanwendung zu erleichtern.
Hitze-, Kältebehandlung wo immer möglich. Tiefkühlen von Geräten für nur ein paar Stunden tötet
die darin sitzenden Schaben. Hitze: 44°C für 4 Stunden tötet fast alle Schaben und 49°C für eine
halbe Stunde tötet alle Schaben.
Bekämpfen Sie nicht nur, sondern setzen Sie sich die Beseitigung der Schaben zum Ziel. Machen
Sie jede Behandlung gründlich mit dem Ziel, nicht jeden Monat wiederkommen zu müssen.
Monatliche Bekämpfungsaktionen tragen dramatisch zur Resistenzentstehung bei. Wenn nicht alle
Schlupfwinkel behandelt werden, stellen Sie nur sicher, daß Sie wiederkommen müssen, weil Sie
Schaben ernten. Mobiliar und Geräte müssen weggerückt, auseinandergenommen, inspiziert und
ggf. behandelt werden.
Wählen Sie Insektizide weise aus. Zunehmend empfehlen Entomologen aus Industrie und
Wirtschaft, in Bekämpfungsprogrammen unter den verschiedenen Wirkstoffgruppen abzuwechseln,
um die Entwicklung der Resistenz in vergiftbaren (empfindlichen) Schabenpopulationen zu
verzögern. Die Empfehlung ist kein Universalrezept, denn es gibt keine Feldversuche über die
Rotation, die beweisen, daß sie funktioniert. Indes, was könnte schlimmer sein, als immer dasselbe
Insektizid über Jahre hinweg immer wieder anzuwenden? Daß das zur Resistenz führt, wissen wir
bereits! Rotation hat sich in verschiedenen Landwirtschaftlichen Programmen als erfolgreich
erwiesen. Was spricht dagegen, daß Rotation die Resistenz bei Schaben gleichermaßen
hinauszögert? Meiner Ansicht nach können wir es uns nicht leisten, auf die Zusammenstellung von
Forschungsdaten zu warten, bevor wir ein Rotationsprogramm beginnen können.
Nachfolgend werden auf den neuesten Stand gebrachte Richtlinien über Insektizidrotation am
Beispiel der Deutschen Schabe vorgestellt. Die Rotation muß von einer Insektizidgruppe zu einer
anderen gehen. Beispielsweise könnte ein Rotationsschema für dauerwirksame Insektizide
beinhalten, von einem Organophosphat-Isomerengemisch zu einem Karbamat, zu einem Pyrethroid,
zum Karbamat mit Synergist, und wieder zurück zum Organophosphat-Isomerengemisch
(vorzugsweise einem anderen Wirkstoff als demjenigen aus dieser Gruppe, der zuvor eingesetzt
worden war). Bei einem derartigen Zyklus könnte es drei Jahre dauern, bevor die erste Gruppe
wieder drankommt
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. Die Köder, Stäube und Wachstumsregulatoren werden meist in Verbindung
mit den dauerwirksamen
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Insektiziden verwendet. Allerdings sollte unter diesen gleichermaßen
rotiert werden; außerdem sollte im Rotationsprogramm eine Zeitlang die ausschließliche
Verwendung von Ködern und Stäuben in Erwägung gezogen werden.
Allgemeine Hinweise zur Insektizidrotation:
Die Rotation sollte von einer Wirkstoffgruppe zu einer anderen gehen und so viele
Wirkstoffgruppen wie möglich mit einbeziehen. Es werden Vorschläge gemacht, wie lange jede
Insektizidgruppe zu verwenden ist, bevor zu einer anderen Gruppe gewechselt wird. Die
vorgeschlagenen Gebrauchszeiten basieren auf dem aktuellen Wissen über die Fähigkeiten der
Deutschen Schabe
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, gegen jede Insektizidgruppe Resistenz zu entwickeln und geht von der
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Hier sehe ich einen Widerspruch: Wenn eine Eliminierung stattgefunden hat, braucht die Bekämpfung nicht so bald
wiederholt zu werden. Möglicherweise spiegelt sich hier aber nur der Gegensatz zwischen Theorie und Praxis wider.
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Silikagel und Borsäure wirken auf völlig verschiedene Weise, obwohl beide als Staub verwendet werden. Hier
handelt es sich also um zwei verschiedene Wirkungsmechanismen (-> Pestizide)
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