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Integrierte Schädlingsbekämpfung
5. Pestizide 99
5.4. Pestizidanwendung
5.4.1. "Neben-Wirkstoffe"
(= inert ingredients / Hilfsstoffe)
In der Regel werden den Wirkstoffen sogenannte "Hilfsstoffe" mit der Absicht zugesetzt, die
Wirkung zu verbessern. Diese Chemikalien sind in Wirklichkeit eher Neben-Wirkstoffe, da sie das
Wirkungsprofil in vielen Fällen erheblich verändern können, z.B:
- Aggregatszustand
- Verteilung
- Geruch, Geschmack, Farbe,
- Eindringen in Materialien
- Lipophilie
- elektrostatische Aufladung
- Viskosität (= Zähigkeit)
- Haftung an Materialien, incl. aktive elektrostatische Anheftung
- Benetzbarkeit
- Aufnahme durch Oberflächen
- Haltbarkeit verlängern, sichern
- Wirkung verlängern, verstärken
- Zielgenauigkeit verbessern (Lockstoff)
Käufliche Pestizid-Präparate enthalten bis zu 15 verschiedene Hilfsstoffe. Die wenigsten
davon werden angegeben, denn fast alle - Art, Anzahl und Mengen - sind schwer behütetes
Firmengeheimnis. Deshalb ist es fast unmöglich, zuverlässige Informationen über Hilfsstoffe
zu finden, geschweige denn über die beim Gebrauch entstehenden Risiken.
Die hier folgende
Liste, die aus meinen Hören-Sagen-Informationen zusammengestoppelt wurde, kann somit nur als
Anstoß dienen und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Auch die wissenschaftliche
Richtigkeit bedarf dringendst der weiteren Erarbeitung!
Oft wirken Hilfsstoffe auch selbst (
z.B. FCKW gegen Wespen
) und machen so die Wirkstoffe überflüssig oder ersetzen sie
(
Pheromon-Klebefallen
).
- Emulgatoren
vermitteln zwischen wasserunlöslichen (Wirk-) Stoffen und dem Wasser als
Lösungsmittel. Beispiele für natürliche Emulgatoren sind Eigelb, Sojalecithin. In Verbindung
mit Gift intensivieren sie den Kontakt mit der Haut und verstärken somit die Vergiftungsgefahr
bei Hautkontakt.
- Haftmittel,
Leimstoffe, die feste Pestizidpartikel für längere Zeit an einer Unterlage festhalten
sollen.
- Konservierungsmittel
, z.B. Antioxidans, Fungizid, Antibakterizid
- Lockstoff
um Zielorganismen anzulocken, einschließlich Köderstoffe
- Lösungsmittel
meist Wasser, aber auch Treibgase Alkohol oder Öl
- Netzmittel
setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab. Behandelte Flächen werden so
vollständiger mit der Flüssigkeit benetzt, bzw. von ihr durchdrungen. Natürliches Netzmittel
ist Seife. Wie die Emulgatoren erleichtern sie den Kontakt mit dem Gift und verstärken somit
die Vergiftungsgefahr bei Hautkontakt.
- pH-Regler
stellen einen bestimmten Säuregehalt ein. Viele Gifte sind nur bei bestimmten pH-
Werten haltbar / wirksam.
- Repellent
um Nichtzielorganismen fernzuhalten, z.B.
Bitrex.
- Schaum-wirksame Stoffe
als Schaumbremse oder Aufschäumer.
- Streckstoff
erleichtert oder ermöglicht oft erst die Ausbringung und gleichmäßige Verteilung,
muß selbst neutral sein. Trägerstoffe, Lösungsmittel; z.B. Talkum bei Stäuben, Silikate bei
Granulaten; Kreide, Ton, Kaolin, Luft, Wasser;