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Integrierte Schädlingsbekämpfung
MethodenAnhang A1 - 15
Kybernetik
Das ist eine Wissenschaft, die sich mit komplexen Systemen befasst. Sie kann beim ganzheitlichen
Erfassen von Situationen sehr hilfreich sein. Weiterführende Literatur: V
ESTER
,
F., Ökolopoly (=
ein Gesellschaftsspiel) und zahlreiche Publikationen.
Lagerbedingungen
< 12°C, trocken, reicht zum Schutz vor Insektenfraß völlig aus. Insekten leben zwar noch, fressen
aber nicht mehr.
Lebensraum
Jedes Lebewesen braucht einen sogenannten Lebensraum, zu dem außer dem sprichwörtlichen
Raum noch Zeit, Nahrung und verschiedene andere Dinge gehören, die auch Resourcen genannt
werden. Die Ansprüche sind von Art zu Art genauso verschieden wie die Lebensräume.
Menschen können den von ihnen beanspruchten Lebensraum niemals vollständig nutzen.
Mensch und Schabe bewohnen den selben Lebensraum? Falsch. Versuchen Sie mal, in einen Riß
im Putz zu kriechen. Außerdem lieben Menschen Licht und sind tagaktiv, währen Schaben immer
ins Dunkle flüchten und erst wach werden, wenn das Licht ausgeht.
Bewohnen Menschen und Fliegen den selben Lebensraum? falsch. An der Zimmerdecke habe ich
noch keinen Menschen sitzen sehen.
Oft sind es nur wenige Kubikmeter in einem Raum, die die Menschen wirklich nutzen, wenn der
Rest beispielsweise mit Möbeln verstellt ist. Bekanntlich gibt es Räume, in denen sich die
Bewohner kaum noch umdrehen können, weil sie so prall mit Gegenständen gefüllt sind.
Selbst innerhalb einer Art bewohnen Individuen im Laufe ihres Lebens verschiedene Lebensräume:
Säuglinge sind nur da, wo man sie hinträgt. Krabbelkinder nutzen den gesamten Fußboden stärker
als alles andere, inclusive die Ecken. Der Tisch ist für sie keine Barriere - sie passen mühelos
drunter. Ältere und kranke Menschen bleiben oft in der Mitte des Raumes, wenn ihre
Beweglichkeit nachläßt. Wer da nicht rechtzeitig ans Aufräumen gedacht hat, dem kann es im Alter
leicht passieren, daß er seinen Lebensraum bald mit zahlreichen Mitbewohnern teilen muß.
Je größer ein Mensch ist, desto höher ist seine Reichweite. Schon dadurch verändert sich der
Lebensraum. Das erlebe ich immer, wenn ich - als relativ kleine Person - bei großen Freunden zu
Besuch bin. Ich komme nirgendwo dran, ohne auf Stühle zu klettern. Wenn die Freunde zu mir
kommen, stoßen sie mit dem Kopf an die Decke.
Zu jedem Lebewesen gibt es eine bestimmte Art von Lebensraum, wo es ganz genau hinpaßt, eine
Minimalausstattung, die es braucht: die ökologische Nische. Wenn auch nur ein Teil falsch ist,
muß es etwas ändern, umziehen oder sterben.
Die Natur nutzt jedes Angebot, füllt jede nur denkbare Lücke. Alles wird gebraucht. Jeder kleinste
Lebensraum auf der Erde, der zur Verfügung steht, wird auf die Dauer von Lebewesen besiedelt.
Auch wenn das bei extremen Lebensbedingungen sehr lange dauert
*
, so gibt es - in gewissen
Grenzen - für alle nur erdenklichen Lebensbedingungen Spezialisten, die genau daran angepaßt
sind.
Die Wissenschaft, die sich damit befaßt, heißt Ökologie.
Ökologisch gesehen, ist der Mensch eine Art Lebewesen wie alle anderen mit einem bestimmten
Anspruch auf Lebensraum. Ökologisch gesehen, beansprucht er oft mehr, als er braucht. Wo die
Natur dann ausgleichend eingreift, wird sie schnell als störend oder schädlich empfunden - eine
einseitige Einschätzung aus menschlicher Perspektive.
*
z.B. feuchte Küche, kalter Keller, trockenes Wohnzimmer, Winterkleidung,
Lebensmittelvorräte, Abfälle, schimmelige Tapete auf der kalten Außenwand, Dielenritzen