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Integrierte Schädlingsbekämpfung Anwendungstechnik - Pestizide
Anhang A4 - 3
Köder (Bait, Bt)
Mischung von Fraßgift mit Lockstoff; muß die Biologie der Zielart und möglicherweise die der
Nicht-Zielarten berücksichtigen, ermöglicht dann sehr spezifische Anwendung und vollständige
Rücknahme des nicht gebrauchten Materials.
Hochspezifisch, bei korrekter Ausbringung in festen Behältern / Köderboxen mit Abstand diejenige
Art der Giftausbringung, die am genauesten zielbar ist. Ausbringung in festen Behältern
vorausgesetzt, können sämtliche Reste nach Abschluß der Behandlung vollständig
zurückgenommen werden. Voraussetzungen u.a.: Bereitschaft zum Lernen, Experimentieren und
zu körperlicher Arbeit, Kooperation des Kunden, genaue Kenntnisse über Art und Menge des
Befalls und ggf. Nicht-Zielorganismen, ausreichend Zeit.
Optionen: Dosen mit trockenem oder feuchtem Köder, evtl. glucosefrei; Staub, Gel, Paste,
flowable dust, flüssig, Kontaktstaub, Konzentrat zum Selbermischen; Granulat, Giftweizen,
Köderblocks, Pellets, ...
Köder können nur wirken, wo Alternativnahrung entfernt werden. (Das ist z.B. bei Ratten in der
Kanalisation
NIE
möglich, überhaupt im Freiland kaum jemals.) -> Köderverfahren
luft-, gasdichte Behälter
Glas, Metall, bestimmte Papiere und Plastikfolien (R
EICHMUTH
, dpS. 3/94, Kryovac);
Abdichtmaterialien, Blasen, Zelte, Kammern: Common Sense Pest Control I/1995; Degesch,
Rentokil, Schädler.
Mikroverkapselung (Microencapsulation, ME)
Winzige Kugeln mit Poren, die den Wirkstoff schützen und (hoffentlich!) nur allmählich
herauslassen; in Flüssigkeit aufgeschwemmt; Anwendung wie wasseraufschwemmbares Pulver
(WP)
Mikrokapsel-Insektizide riechen oft nur schwach. Die meisten wirken nur schwach austreibend
gegen die Deutsche Schabe (R
UST
& al. 1995, S. 290)
Die Größe der Kügelchen und der Poren sei genau einstellbar. Nur durch die Poren könne der
Wirkstoff mit der Zeit austreten. Das in den Kügelchen festgehaltene Material sei sicher
aufbewahrt (
, also wenig giftig, wenn sie auf die Haut gelangen, und die Kügelchen seien unverdaubar
), bleibe wo
es ist (
, könne also nicht vom Untergrund aufgesaugt werden
), und sei vor Umwelteinflüssen (Licht,
Feuchtigkeit, Luft, Sonne) weitgehend geschützt. Die Wirkung sei gleichmäßig groß, solange in
den Kügelchen noch Wirkstoff enthalten ist und höre dann schlagartig auf (
Verringerung der
Resistenzgefahr
). Soweit die Hersteller der mikroverkapselten Wirkstoffe.
Die Kügelchen können mit einem Haftmittel versehen werden, das sie am Ort der Ausbringung oder
am Körper der Insekten festhält.
Besonders für kurzlebige Chemikalien, die sich bei Licht, Luft Feuchtigkeit, Alkali zersetzen, ist
dies eine interessante Formulierung, da immer nur diejenige Menge wirkt, die soeben aus den Poren
ausgetreten ist (z.B. Pyrethrum, Diazinon). Gleichzeitig jedoch wächst die Wahrscheinlichkeit der
Resistenz mit der Expositionsdauer (= die Zeitspanne, während der die Tiere dem Gift ausgesetzt
sind).
Ansonsten flüssige Stoffe können in dieser Zubereitung an der Oberfläche von poröser Untergründe
gehalten werden. Mikroverkapselte Präparate sind auch für die -> Schlupfwinkelbehandlung
geeignet.
Voraussetzungen für die Eignung von Mikrokapsel-Präparaten für die integrierte
Schädlingsbekämpfung:
- Die Kapseln müssen starken Druck- und Temperaturschwankungen, wie sie beim Ausbringen
mit Druckspritzen entstehen, standhalten, ohne zu platzen.
- Die Kapseln dürfen ihren Inhalt nicht schon an das Lösungsmittel in der Flasche schon abgeben
(
Haltbarkeitsgrenzen!
).