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E. Scholl (1995) Richtlinien - Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B-3 / Flöhe - 1
Anhang B-3 / Flöhe
1. Erkennungsmerkmale
Hochhüpfen vom Boden aus, Stechen besonders in die Beine; Stiche oft in regelmäßigen Abständen
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nebeneinander, heftiger, anhaltender Juckreiz. Flöhe sind 2-4 mm groß, meist bräunlich (bis fast
schwarz), schmal und hoch, wie seitlich zusammengedrückt, flügellos, hart; Beine, Stechrüssel und
sämtliche Borsten nach unten und hinten gerichtet.
2. Ökologie
2.1. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde:
Die Larven der Flöhe sind die schnellen Schmutzbewohner in den Nestern von Tieren und
Menschen. Die Larven profitieren sehr subtil vom Streß der Blutlieferanten ihrer Eltern: Wenn die
Blutwirte erschöpft in Tiefschlaf sinken, können die erwachsenen Flöhe ungestört Blut saugen und
die Larven mit ausreichend überschüssigem Blut versorgen (s.u.). Die Folge ist eine
Massenvermehrung der Flöhe bei Streß der Blutwirte. So werden Flöhe zu regelrechten
Krisenfolgern. Dabei stellen die Larven der verschiedenen Floharten sehr unterschiedliche und
recht spezifische Ansprüche an das Mikroklima ihrer Umgebung. Sobald etwas nicht stimmt,
verschwinden sie.
Natürliche Feinde der Flohlarven sind besonders die klimatischen Extreme Trockenheit, Hitze,
Nässe und bei einigen Arten Kälte; außerdem Ameisen und verschiedene Käfer, besonders
Staphyliniden (Kurzflügelkäfer) und der Mattschwarze Getreideschimmelkäfer Alphitobius
laevigatus, Tenebrionidae (Schwarzkäfer), sowie bestimmte Nematoden.
Die ausgewachsenen Flöhe sind reine Blutsauger an Warmblütlern und brauchen außer einem
Blutlieferanten oft auch einen Transporteur, da sie sonst trotz ihrer Sprünge nicht weit kommen.
Die meisten erwachsenen Flöhe sind polyphag, d.h. sie haben mehrere Wirte, von deren Blut sie
sich ernähren können. Typische Floh-Habitate sind schattig, vor Regen und Wind geschützt auf
feuchtem Untergrund oder insgesamt leicht feucht und werden vom Wirt häufig aufgesucht (->
M
ALLIS
1991,
P
. 603).
2.2. Verhältnis zum Menschen:
In der gegenwärtigen Situation in Deutschland werden Flöhe häufig dort zum Problem, wo Katzen
sich unkontrolliert vermehren. Das ist oft der spürbare Gipfel einer Verkettung von Defiziten.
Ungenügend geschützte, menschliche Vorräte, (manchmal Schaben), Mäuse, Ratten, Katzen, Flöhe
sind häufige Glieder der zugrundeliegenden Nahrungskette. Wo die Katzenpopulation explodiert
und die verflohten Katzen in den Ecken sterben, werden die Flöhe zur Plage.