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E. Scholl (1995) Richtlinien - Integrierte Schädlingsbekämpfung Anhang B-4 / Mäuse - 1
Anhang B-4 / Mäuse
1. Erkennungsmerkmale
Nächtliche Geräusche, Nage- und Kotspuren an Lebensmittelvorräten, Papierfetzen, bei Bewegung
weghuschender grauer Schatten in Bodennähe; Mausgeruch.
2. Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde
Mäuse sind ursprünglich in der zentralasiatischen Grassteppe / Halbwüste beheimatet. Im lockerem
Bewuchs laufen sie umher, laufen auf der Suche nach Körnern von Grashalm zu Grashalm, fressen
Samenkörner von Gräsern und Kräutern und sammeln sie für die lange Trockenzeit. Da es
überwiegend warm und sehr trocken ist, müssen sie mit sehr wenig Feuchtigkeit auskommen.
Mäuse haben eine äußerst flexible Bevölkerungsgröße. Die Familie wächst sofort und sehr schnell
mit dem pflanzlichen Nahrungsangebot nach Regen, stimuliert durch den pflanzlichen Wuchsstoff
Gibberellinsäure. Als Pflanzenfressen bereiten sie Energie für Fleischfresser auf. Hohe
Sterblichkeit wird durch die hohe Austauschbarkeit der Familienmitglieder kompensiert.
Natürliche Feinde der Mäuse sind kleine Raubtiere wie Wiesel, Mauswiesel, Iltis, Fuchs, Igel,
Spitzmaus, Schlangen, Raubvögel, bes. (Schleier-) Eulen und Weihen, Bussard.
3. Verhältnis zum Menschen
Seit Beginn des Getreideanbaus sind die Mäuse in die menschlichen Getreidevorräte eingezogen.
Inzwischen gibt es zahlreiche Unterarten für verschiedene Klimazonen und Arten der
Vorratshaltung. Zahlreiche Merkmale und Eigenschaften können Mäuse in wenigen Generationen
ändern / anpassen (s.u.), andere Eigenschaften behalten sie überall bei. Beispielsweise das ständige
Umherlaufen und die Eigenschaft, an vielen Stellen einzelne Körner zu fressen haben alle
Mauseunterarten beibehalten. Die meisten Unterarten haben beim dauerhaften Leben in den
menschlichen Vorräten die Gewohnheit des Sammelns aufgegeben. Sie bauen ihre Nester mitten in
die fertigen Vorratssammlungen des Menschen hinein. Überwinterung der mitteleuropäischen
Arten im Freiland ist unwahrscheinlich, wenn auch manche Unterarten schwerpunktmäßig im
Frühjahr ins Freie ziehen und erst im Herbst in die menschlichen Behausungen drängen. Die
mitteleuropäischen Mäuse-Unterarten sind in Bezug auf Lebensraum und Temperatur weitgehend
vom Menschen abhängig, besonders im Winter. Lebend gefangene Mäuse im Wald freizulassen ist
daher eher Tierquälerei als -schutz. Hauptfeinde der Mäuse im Lebensraum des Menschen sind der
Mensch selbst und die Hauskatze, wo der Mensch die übrigen Freßfeinde der Mäuse verdrängt hat.
Als Labortiere für Versuche sind Mäuse sehr beliebt. Da sie u.a. Insekten fressen, ernähren sie sich
in Häusern auch von Schaben und anderem Ungeziefer und tragen so zur Schädlingsbekämpfung
bei.