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Mäuse / Anhang B-4
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E. Scholl (1995)
stehenbleiben und danach umgestellt werden. Noch besser ist, nach 2-3 Tagen eine Pause von 1-2
Wochen einzulegen.
Mit Fallen lassen sich bis zu 95% einer Mäusepopulation "abschöpfen".
Zur Tilgung der übriggebliebenen Mäuse empfiehlt sich die Behandlung der Restpopulation mit
Kontaktstaub in stoßsicheren Köderdosen, da fast immer mit Konkurrenznahrung gerechnet werden
muß. Oft genügt es, die Neugier übriggebliebener Mäuse zu erregen, indem man die sonst leeren
Köderdosen als neue Objekte im Mäuserevier aufstellt. Ansonsten eignet sich als Lockmittel in
diesen Fällen Watte, die die Mäuse gerne zum Nestbau verwenden.
Giftköder: Wer glaubt, nicht auf Giftköder verzichten zu können, muß einige grundlegende
Faktoren berücksichtigen.
- Da Mäuse an vielen Stellen jeweils nur wenig fressen, muß die gesamte, in Frage kommende
Alternativnahrung sorgfältig beseitigt werden, damit ein Fraßköder seine Wirkung zuverlässig
entfalten kann.
- Mäusegift sollte auch in sehr kleinen Portionen schon wirksam sein und muß in vielen kleinen
Portionen ausgebracht werden. Das sind im Idealfall in 40 oder mehr Köderstationen pro
Mäuserevier. Köderreste müssen nach Behandlungsende wieder eingesammelt werden.
- Ködermaterial muß frisch, darf nicht ranzig sein. Lieblingsspeisen der Mäuse sind angeblich
Hirse, Erdnuß-, Haselnußmus, Haferflocken. Wo eine Mäusesippe fest etabliert ist, hat sie
möglicherweise Nahrungsvorlieben entwickelt, die unbedingt zu berücksichtigen sind.
- Wo Mäuse getötet werden müssen, sind ihre Parasiten, besonders Flöhe der Mäuse, ggf. vorher
zu töten (-> Flöhe).
- Mäuse sind monogam und werden deshalb leichter gegen Gifte resistent als Ratten.
- Wo große Mengen Mäuse vergiftet in unerreichbaren Ecken sterben, können - abgesehen von
der Geruchsbelästigung - hygienische Probleme die Folge sein. Auf jeden Fall ist mit dem
Erscheinen aasbewohnender Tiere: Aaskäfer, Schmeißfliegen und Motten zu rechnen.
- Oft wird übersehen, daß eben selbständig werdende Nestjunge nach Vergiftung der Mutter
innerhalb kürzester Zeit eine neue Population aufbauen können, wenn sie bei einer
Bekämpfungsaktion verfehlt wurden, da sie noch gesäugt wurden. Wieweit diese Individuen
sich in etablierten Mäuserevieren evtl. von Vorräten ernähren können, die frühere
Mäusegenerationen angelegt haben, ist nicht geklärt.
- Als Gifte kommt außer Antikoagulantien, die in der Regel mehrfach aufgenommen werden
müssen und schnell zu Resistenz führen, z.B. alpha-Chloralose in Frage, sofern die
Temperaturen unter 12°C gehalten werden können; außerdem Antikoagulantien in der
Kombination mit Calciferol.
- Bei Verwendung von Giftkörnern sollte nicht die Schale, sondern das Korn vergiftet ist
(nachfragen beim Hersteller). -> Köder, Köderverfahren.
Wo der Schädlingsbekämpfer schnell Resistenz vermutet, dürfte das Problem in Wahrheit wohl
meist in ausreichend zur Verfügung stehender Konkurrenznahrung und daraus resultierender
mangelhafter Köderannahme liegen.
Mäuse brauchen zwar nicht unbedingt Wasser, aber sie nehmen es aber doch u.U. gern an. Wo alle
anderen Mittel versagen, kann dieser Umstand zur Bekämpfung genutzt werden. Bei der
Verwendung von Flüssiggift ist allerdings höchste Aufmerksamkeit geboten, da diese Zubereitung
leicht verschüttet wird und damit außer Kontrolle gerät.
9.2. Management der ökologischen Nischen