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Integrierte Schädlingsbekämpfung
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Anhang B-5 / Milben
Weitere mögliche Schäden
durch Milben sind Belästigung durch Blutsaugen,
Krankheitsübertragung (Zeckenborreliose, Hirnhautentzündung, Babesiose: Zecken), Schäden an
Lebensmitteln bei Massenbefall nach falscher Lagerung u.a. und als Zwischenwirt bei der
Übertragung des Schafbandwurms (durch Scheloribates laevigatus). Einige Milben werden lästig,
indem sie auf der Suche nach einem Winterquartier oder bei Massenvermehrung aus dem Garten
ins Haus kommen, sind aber an sich harmlos.
4. Ausbreitungsstrategien:
Viele Milben können relativ schnell laufen, kommen aber dadurch, daß sie so klein sind, nicht
besonders weit. Sie nutzen zur Verbreitung verschiedene Hilfsmittel:
- Windverdriftung der Tiere selbst oder der Teile, auf denen sie sitzen, oder ihrer Dauerstadien,
- Transporttiere:. Besonders die sogenannten Deutonymphen (s.u.), die gegenüber anderen
Stadien der gleichen Art eine auffällig erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Nahrungsmangel
und trockene Luft besitzen, benutzen oft Transporttiere, z.B. aas- und kotfressende Käfer,
Bienen, Hummeln, Ohrwürmer, Asseln.
5. Stellung im Tierreich, Artenzahl und problematische Arten:
Die Milben gehören zu den Spinnentieren.
Im Jahre 1989 waren 60 000 Milbenarten bekannt, und es werden quasi täglich neue Arten
entdeckt. Wieviele Arten es wirklich gibt, werden wir wohl nie erfahren. Da jeder seriöse
Milbenforscher sich zuerst eine neue Ordnung für die verschiedenen Milbenfamilien ausdenkt, ist
es für den nicht-Milbenforscher leider kaum möglich, sich darin zurechtzufinden.
K
AESTNER
(1969) unterschied 6 Unterordnungen von Milben. Zur Zeit scheint sich eine Ordnung nach der Lage der
Stigmen (=Atemöffnungen) wachsender Beliebtheit zu erfreuen.
Fast alle Milben sind - auch aus menschlicher Sicht - nützlich. Ganz wenige Arten können auch
schädlich werden.
In Mitteleuropa gibt es rund 40 in Wohnungen und Vorräten vorkommende Milbenarten, die bei
Massenvermehrung dem Menschen lästig oder schädlich werden können und ca 17 parasitische
Milbenarten (davon 6 Zeckenarten) (R
ACK
in W
EIDNER
1993). Diese Arten gehören zu den
folgenden Unterordnungen:
- Sarcoptiformes: Krätzmilbe, Hausstaubmilben und fast alle vorratsschädliche Milben, Horn-
und Moosmilben
- Parasitiformes: Zecken und Vogelmilben
- Trombidiformes: Laufmilben, z.b. Herbstmilben, Haarbalgmilben und Spinnmilben
Notostigmata, Holothyroidea und Tetrapodili sind die Namen der übrigen Milben-Unterordnungen, die hier nur der
Vollständigkeit halber aufgezählt werden (K
AESTNER
1969).
6. Entwicklungstyp, Mundwerkzeuge, Sinnesorgane: