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Milben / Anhang B-5
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E. Scholl (1995)
Milben haben zwischen Ei und erwachsenem Tier meist vier Entwicklungsstadien, manchmal
weniger: Ei, sechsbeinige Larve, achtbeinige Proto-, Deuto-, Tritonymphe, erwachsene Milbe.
Männchen und Weibchen können sehr verschieden aussehen.
Mundwerkzeuge sind normalerweise zwei- oder dreigliedrige Cheliceren (= "Klauenhörner"), die in
Scheren enden. Bei einigen Milben sind die Cheliceren zu Stechorganen umgebildet.
Sinnesorgane: Milben bewegen sich hauptsächlich tastend durchs Leben. Sie haben Tasthaare,
Trichobothrien (= sehr dünne Haare, die auf schwache Luftströmungen reagieren), Sinnesspalten
für verschiedene Empfindungen, das H
ALLER
sche Organ (eine Riechgrube; das haben nur Ixodides
- Schildzecken an den Vorderfüßen). Außerdem haben sie teilweise einen Hautlichtsinn (z.B.
Ixodides) und manchmal auch Augen, die aber nicht unbedingt am Kopf sein müssen.
7. Problematische Arten, Besonderheiten und Abwehr:
(
Ei bis Adult, Stadiendauer, Brutplätze, Ernährung, Lebensweise, Klima, Jahresrhytmus, Diapause, Überwintern
)
Jede der ca 40 problematischen Milbenart kann den Menschen auf ihre ganz besondere Weise lästig
oder schädlich werden. Deshalb muß - trotz mancher Ähnlichkeiten - jede Art anders behandelt
werden. Deshalb kann hier nur eine Auswahl von Gegenmaßnahmen für ausgewählte Arten als
Orientierungshilfe angerissen werden, die im Folgenden für jede Art separat beschrieben werden.
Nach der Gliederung im Standardwerk der allg. Zoologie werden 6 Unterordnungen der Milben
unterschieden (K
AESTNER
, 1968). Die Arten, die den Menschen lästig oder schädlich werden
können, gehören allesamt zu den 3 Unterordnungen Sarcoptiformes, Parasitiformes und
Trombidiformes.
7.1. Sarcoptiformes
Zu dieser Unterordnung gehören die
Hausstaubmilben
und fast alle Vorratsschädlinge (Gattungen
Gohieria
,
Chortoglyphus
,
Carpoglyphus
,
Glycyphagus
,
Lepidoglyphus
,
Histiogaster
,
Thyreophagus
,
Suidasia
,
Caloglyphus
,
Rhizoglyphus
,
lardoglyphus
,
Acarus
,
Aleuroglyphus
,
Tyrolichus
,
Tyrophagus
und Tyroborus; auch die Oribatei,
Horn-
oder
Moosmilben
, gehören zu
den Sarcoptiformes (R
ACK
in W
EIDNER
1993, p. 264): Acaridia: ... haben drei freilebende
Jugendstadien: Larve, Protonymphe, Tritonymphe.
Bei einer Anzahl Gattungen tritt außerdem - meist nur unter besonderen Umständen - eine Deutonymphe auf, die dann
eine ganz abweichende Gestalt hat und einst für eine besondere Gattung gehalten wurde. Diese heteromorphen (=
anders aussehenden) Deutonymphen haben einen viel härter und dicker kutikularisierten Rücken als die gewöhnlichen
Stadien und können sich im Laufe der weiteren Entwicklung sowohl als männlich wie als weiblich erweisen. Ihre
Mundwerkzeuge sind zu kleinen Höckern verkümmert, ihr Mund ist verschlossen und ihr Ösophagus (= Vorderdarm)
ein solider Strang. Sie leben von inneren Vorräten. Es werden zwei verschiedene Formen solcher Deutonymphen
unterschieden, von denen die meisten Arten nur eine ausbilden können:
- Wandernymphen, die an der Bauchseite hinter den Hüften eine Platte mit mehreren Reihen von Saugnäpfen und
daneben noch einzelne Saugnäpfe auf den Hüftflächen haben. Sie sind äußerst tastempfindlich und befallen jeden
an ihnen vorbeistreifenden Gegenstand, wenn er die Haare der vorgestreckten Vorderbeine berührt, in freier Natur
also Insekten, Asseln u.dg., wobei sie sich mit Hilfe der Haftplatten der Bauchseite fest an die glatte Wirskutikula
anheften. Diese Wanderform ist gegen Trockenheit, Kälte und Hitze ziemlich empfindlich. Sie wandelt sich
gewöhnlich in die Tritonymphe um, wenn sie in einen Lebensraum gelangt, der feuchter ist als der mit dem
"Reittier" verlassene.